Zweimonatliche Reflexionen
zum Gedenkjahr von Arnold Janssen und Joseph Freinademetz

zusammengestellt vom
Arnold Janssen Spiritualitätzentrum, Steyl


Reflexion Nr. 1
Die Liebe Gottes leuchtet in unseren Herzen auf in den Farben des Regenbogens …
(A. Janssen)

Publikationsdatum: 25. Oktober 2007

Arnold Janssen: die falsche Person, zur falschen Zeit, am falschen Ort! Die falsche Person, da Arnold nicht die persönlichen Qualitäten hatte, die man normaler Weise vom Gründer eines weltweiten Unternehmens erwartet. Ein Klassenkollege sagte: “Von der ganzen Klasse wäre Arnold Janssen einer der Letzten gewesen, den man für eine solche Aufgabe als geeignet angesehen hätte.” Die falsche Zeit, weil die 1870er Jahre sehr schwierig für die katholische Kirche in Deutschland waren, da viele Kirchenführer inhaftiert, Kirchengemeinden ohne Priester und Ordensgemeinschaften aufgehoben waren. Wegen des Kulturkampfs musste er das Missionshaus auf der anderen Seite der Grenze gründen, außerhalb seines eigenen Landes.

Die falsche Person! Und dennoch, heute, hundert Jahre nach seinem Tod, wird mehr über Arnold gesprochen und mehr zu ihm gebetet als jemals zuvor. Seit seiner Heiligsprechung im Jahr 2003 brennen vor seinem Grab in Steyl ununterbrochen, Tag und Nacht, Kerzen, die von Pilgern aufgestellt werden. Das Werk, das er begann, wächst immer weiter, jetzt auch mit verschiedenen assoziierten Laiengruppen. Wir wirken in mehr als 70 Ländern. Wichtiger als das zahlenmäßige Wachstum sind die Bemühungen, auf die Herausforderungen unserer Zeit zu antworten, auch wenn uns das auf Wege führt, die sich Arnold wohl kaum hätte vorstellen können. Er war eindeutig die rechte Person, und der Heilige Geist konnte dieses “armselige Werkzeug seiner Gnade” gut gebrauchen.

Der Heilige Geist kann auch durch uns Großes wirken, wenn wir uns ihm großmütig und uneingeschränkt hingeben, wie Arnold, der sein Leben und seinen missionarischen Einsatz als Antwort auf Gottes “unbeschreibliche Liebe” verstand.
„Alle drei Personen haben ihre Liebe zu den Menschen auf eine ganz neue und unerhörte Weise gezeigt: der ewige Sohn, indem Er selbst Mensch wurde; der Heilige Geist, indem Er herabkam, um in den Herzen der Menschen zu wohnen; der himmlische Vater, indem Er den Menschen die Lieblinge Seines Herzens [den Sohn und den Geist] sandte, um seine Liebe zu offenbaren.“ Für Arnold war Missionsarbeit die Anteilnahme an diesem tiefsten Verlangen Gottes nach den Menschen. Seine Erfahrung der Liebe Gottes verlieh ihm Begeisterung und Kraft, und um den Willen Gottes zu fördern, war er bereit, jedes notwendige Opfer zu bringen und die Kritik der Anderen zu ertragen.

Es ist daher nicht überraschend, dass der Ausspruch des hl Paulus: “Die Liebe Gottes ist in unsere Herzen ausgegossen durch den Heiligen Geist“ (Röm 5,5), einer der fünf am häufigsten von Arnold Janssen zitierten Texte war, denn das ist die Grundlage aller Missionsarbeit. Mission ist eigentlich Gottes Liebe, die in unsere liebelose Welt hineinfließt, um wahres Leben und Freude zu bringen. Gottes Liebe floss ununterbrochen durch Arnold in die Welt und das führte ihn dazu, immer mehr “den Wert der Seele”, die Würde jeder Person zu achten. “Die Verkündigung des Evangeliums ist der höchste Ausdruck der Nächstenliebe” war die Grundlage seiner missionarischen Begeisterung, seiner brennenden Leidenschaft. “Dafür ist kein Opfer zu groß.”

Und wir? Wir sagen natürlich, Missionsarbeit lohnt sich, und wir haben ihr unser Leben geweiht. Und doch, das Feuer der Begeisterung, das in Jesus und in Arnold brannte, scheint in uns heute nicht selten nur noch ein glimmendes Feuer zu sein, nicht länger eine Leidenschaft wie sie Christus hatte. “Es lebe das Herz Jesu in den Herzen aller Menschen!” ist kaum mehr als ein frommes Gebet.
Wie können wir das Feuer wieder neu entfachen? Wir hoffen, dass das Gedenkjahr der Heiligen Arnold und Josef uns dabei helfen kann. Ihr Beispiel kann uns anspornen, eine Haltung des Dialogs zu entwickeln, in der wir bewusst die Würde jedes einzelnen Menschen achten und verteidigen. In den Exerzitien vor einer Missionsentsendung sagte Arnold: “Aus der frommen Betrachtung des Thrones Gottes [in den Herzen der Menschen ergibt sich] welch ein großes Werk das Missionswerk ist. Gesetzt, wir sähen … das Herz derer, die im Stand der heiligmachenden Gnade sind, von Licht durchdrungen und umgeben, und im Mittelpunkt derselben den dreieinigen Gott. Welch erstaunenswerter Anblick!“

Erstaunen und Ehrfurcht durchziehen alle Vorträge Arnolds. Erstaunen darüber, dass der dreieinige Gott seine Liebe zu uns auf solche Weise zeigt. Ehrfurcht vor der Würde und Schönheit, die diese unendliche Liebe jedem Menschen schenkt, “um Sohn oder Tochter des Vaters, Schwester oder Bruder des Sohnes, Tempel, Braut des Heiligen Geistes zu sein.” In seiner letzten Pfingstpredigt drückte Arnold es so aus: „Der Heilige Geist ist der Gott der Liebe, und ist gekommen, um die Menschen liebenswürdig zu machen vor dem Angesicht Gottes und ihnen seine Liebe zu offenbaren“.

Besonders wenn wir anderen Liebe und Achtung erweisen, hilft uns der Heilige Geist, uns selbst als liebenswert anzunehmen. Hier ist der Schlüssel zur Heiligkeit, ein lebenslanger Prozess. “Nur die Liebe macht das Menschenherz weit.” Arnold bemühte sich bewusst um Liebe und Achtung, doch nicht immer mit Erfolg, wie wir von einigen Menschen wissen, die mit ihm zusammen lebten. Er war kein fehlerloser Heiliger, aber er versuchte ernsthaft, sich der verwandelnden Liebe des Heiligen Geistes zu öffnen. Im Jahr 1901 Arnold bat die Gemeinschaft: „Und wenn Ihr mir einen besonderen Dienst erweisen wollt, so helfet mir, etwas von der Fülle der göttlichen Liebe meinem kalten Herzen zu erflehen. Und zwar habe ich hier an erster Stelle nicht die Liebe zu Gott, sondern die Liebe zu Euch allen im Auge. Wie dankbar würde ich sein, wenn Ihr mir diese Liebe erflehen wolltet“.

P. Gier, einer seiner frühen Kritiker, sagte, dass für diejenigen, die ihn in früheren Jahren gekannt hatten, Arnold im Alter wie eine andere Person war. Und doch musste noch im Jahr 1906 der Bischof von Roermond ernste Beschwerden einiger Brüder und sogar einiger Schwestern in Steyl auf ihre Stichhaltigkeit prüfen.

Wie Arnold, müssen auch wir mit unseren Schwächen ringen, uns unserer Gebrechlichkeit nur allzu bewusst. Aber es ist ein hoffnungsvolles Ringen, da wir wissen, dass weniger unsere eigenen Bemühungen als vielmehr Gottes Liebe uns ändert. Es ist eine Hoffnung, die sich nicht auf eine unbestimmte Zukunft bezieht, sondern auf die Gegenwart. Der Geist der Liebe, der in uns wohnt, macht jetzt jeden Menschen liebenswert.

Das ist die Basis für die grundsätzlichen Forderungen, die bei den Generalkapiteln aufgestellt wurden:

  1. Auf den Anderen zugehen in einer Haltung der “Solidarität, der Achtung und der Liebe” (SVD 2006);
  2. “Das Mitleid Jesu gegenwärtig zu setzen in seiner prophetischen Sendung” (SSpS 2002);
  3. Das Geheimnis der heiligen Dreifaltigkeit, die in uns wohnt, zu meditieren, “um deren Licht auch auf den Gesichtern unserer Brüder und Schwestern erkennen zu können” (SSpSAP 2003).

            „Wie das Licht der strahlenden Sonne,“ schrieb Arnold, „wenn es in den herabströmenden Wassertropfen sich bricht, mit siebenfacher Farbenpracht im Regenbogen erglänzt, so strahlt die Liebe des Hl. Geistes mit siebenfacher Gnadenwirkung in den Heiligen wieder und verleiht ihnen jene eigenthümliche Schönheit, welche jedes geistige Auge entzückt“.

Der in uns lebende Heilige Geist führe uns dazu, Freude an der Schönheit der Regenbogenfarben jeder Person, mit der wir leben und derer, denen wir dienen und vor allem uns selbst, zu finden.

                                                                                  
Peter McHugh SVD
 
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