Zweimonatliche Reflexionen
zum Gedenkjahr von Arnold Janssen und Joseph Freinademetz

zusammengestellt vom
Arnold Janssen Spiritualitätzentrum, Steyl


Reflexion Nr. 3
Die Eucharistie im Leben Arnold Janssens

Publikationsdatum: 14. April 2008

Der heilige Arnold hatte eine große Liebe zur Eucharistie. Sie war schon ein Erbe seines Elternhauses. Die Mutter Arnolds war eine große Liebhaberin des Gebets und hatte eine besondere Liebe zur Eucharistie. An Sonntagen war sie schon gegen 4:30 Uhr früh in der Kirche, um an der ersten und den noch folgenden Eucharistiefeiern teilzunehmen. Sie verbrachte oft einen großen Teil der Sonn- und Feiertage im Gotteshaus. Zur Zeit des „vierzigstündigen Gebetes“ blieb sie fast den ganzen Tag im Gebet. Auch an Werktagen wusste sie ihre vielen Arbeiten so einzurichten, dass sie immer an einer heiligen Messe teilnehmen konnte. Sie war überzeugt dass sie mit der Arbeit nicht fertig werden konnte ohne den Segen der Eucharistie.

Dieses Beispiel sowie das seines tief religiösen Vaters prägte sich dem jungen Arnold tief ein. Mit 11 Jahren ging er zur ersten heiligen Kommunion, was er als große Gnade ansah und worauf er sich gut vorbereitete, indem er, wie es damals üblich war, den ganzen Katechismus auswendig lernte. Über das religiöse Erleben Arnolds am Tage seiner Erstkommunion wird uns nichts berichtet. Er spricht wenig über seine religiösen Gefühle und sein inneres Erleben. Zwei Briefe, die er acht Jahre später an seinen kleinen Bruder Peter schrieb, als dieser zum ersten Mal zum Tisch des Herrn ging, lassen uns erahnen, was dieses Ereignis für Arnold bedeutet haben mag. Sie bezeugen seine Ergriffenheit über die Realpräsenz Jesu in der Eucharistie, die wir auch in seinem späteren Leben finden:

„Mit inniger Freude hat es mich erfüllt, als ich vernahm, dass du dieses Jahr wirklich das unbegreiflich große Glück haben sollst, zum Tische des Herrn zum ersten Male hinzutreten, an einem Mahle teilzunehmen, wonach die Engel gelüsten. O, wenn du es erkenntest, was es heißt, den Leib des Herrn zu empfangen! Weißt du es wohl, wer der ist, den du empfangen sollst? Es ist der König des Himmels und der Erde, der Herr der Ewigkeit..., der Mächtige, der den Erdball lenkt nach seinem Willen... Bereite schon jetzt dein Herz darauf vor... schütte dein ganzes Herz vor ihm  aus, empfehle ihm deine Freuden und Leiden... Du wirst es nie bereuen, wie ich es jetzt bereue, so wenig zur Vorbereitung getan zu haben....“

In einem zweiten Brief, vier Tage später, schreibt Arnold:
„Der schönste, glücklichste Tag deines Lebens, der Tag, nach dem noch das Herz des Priesters im Silberhaar zurückverlangt, und dessen wonnevolles Andenken ihn noch immer und immer wieder mit stiller Freude erfüllt, ist endlich für dich angebrochen... O Bruder, lass mich dich tausendmal glücklich preisen. Du bist jetzt des Herrn Heiligtum, sein Erbteil und seine Liebe.“

In diesen Worten spüren wir etwas vom Pulsschlag der eucharistischen Liebe des heiligen Arnold. Er ist zutiefst erfasst vom Geheimnis des menschgewordenen Gottes und seiner Gegenwart in der Eucharistie, in der er seine Liebe kosten darf. Diese unbegreifliche Liebe möchte Arnold mit der ganzen Kraft seiner Seele erwidern und alles meiden, was ihn davon entfernen könnte.

Die gleiche Liebe und Ehrfurcht begegnen uns auch einige Jahre später in einem Brief Arnolds an seine Mutter, kurz vor seiner Priesterweihe:
„Ich sitze gerade auf meinem Zimmerchen allein im frühen Morgendunkel. Neben mir brennt noch die Kerze, vor mir steht ein Christusbild, und es ist still, ganz still in meiner Seele. Da tönt eben wieder von einem nahen oder fernen Kirchturm ein Glöcklein durch die dunkle Nacht zu mir herüber, es ruft die Gläubigen, sich von ihren Schlafstätten zu erheben und in die Kirche zu kommen, wo das allerheiligste Opfer vorbereitet wird. Es ergreift mich wunderbar; ich denke, auch du selbst sollst bald zum heiligen Altare hinzutreten, an Jesu Christi Stelle dort stehen und die heiligen Geheimnisse feiern.“

Diese Liebe und Ehrfurcht vor der Gegenwart Jesu Christi in der heiligen Eucharistie erfüllt Arnold auch in seinen späteren Jahren: „Jesus lebt in der Stunde der heiligen Kommunion in uns als Gott und Mensch. Sein göttlicher Leib berührt uns, und wir berühren ihn. Wie wunderbar wirkt Jesu Leib!... Die ganze Menschheit ist erlöst durch das Leiden und die Blutvergießung dieses hochheiligen Leibes. Und nun heiligt Jesu Leib uns in der heiligen Kommunion“ (Vortrag 1894). Ein Gedicht aus seinen reifen Lebensjahren (1896) lässt uns einen Blick tun in dieses Geheimnis der Liebe Arnolds zur Gegenwart Jesu in der Eucharistie.

Nach der heiligen Kommunion:
„O stilles Glück, o selig Los! Nun ist er ganz mein eigen!
Der König wunderbar und groß, dem sich die Himmel neigen.
O saget mir, wo ist ein Thron, der also wird geehret,
Dass seiner Gott, des Vaters Sohn, als Ruhestatt begehret?
Wo ist ein Schloss, in dessen Saal der Schöpfung König speiset?
Wo hielt man je ein Freudenmahl, das Ihn als Gastfreund preiset?
O unaussprechlich höchstes Glück! – Ich finde keine Worte;
Auf mich fiel seiner Liebe Blick, er trat durch meine Pforte.
Er trat in meine Kammer, die leer ist aller Zierde.
Und reicht mir seiner Liebe Wein, als wär ich gleicher Würde.
War je ein Fürst, der also tief von seinem Thron gestiegen,
Dass er der Bettler Ärmsten rief, sich an sein Herz zu schmiegen?
O höchster Königssohn, dem sich das Weltall neiget,
Mein Herz nun, deiner Liebe Thron, in Ehrfurcht staunt und schweiget;
Es schweigt ob deiner Minne Glut, in heiligem Entzücken, 
Dass du, mein Herr und Gott, geruht, es also zu beglücken.“

Ohne Zweifel ist die eucharistische Frömmigkeit Arnolds beeinflusst von der Theologie und Religiosität seiner Zeit. Ausgehend von der Theologie Matthias Scheebens, die ihn grundlegend geprägt hatte, war die Eucharistie für Arnold zunächst ein Gnadenmittel. Oft weist er darauf hin, dass in der Eucharistie, mit dem Göttlichen Wort, zugleich der Vater und der Heilige Geist gegenwärtig sind, wenn auch nicht auf dieselbe Weise. Die Konzentration auf das Zentralgeheimnis des christlichen Glaubens gibt seinem geistlichen Leben innere Einheit, Tiefe und Lebendigkeit. Die Hervorhebung der trinitarischen Dimension der Eucharistie ist ein Charakteristikum der eucharistischen Spiritualität des Steyler Gründers, wodurch sie ihre bleibende Bedeutung erhielt. Sie ist daher nichts Isoliertes, sondern ist eingebettet in die Zentralgeheimnisse des christlichen Glaubens: Dreifaltigkeit, Menschwerdung und Erlösung.

In jeder Eucharistiefeier begehen wir das ganze Mysterium der Erlösung und bekennen: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.“ In der Feier der Eucharistie nehmen wir teil am Heute des christlichen Heilsgeschehens: Menschwerdung, Leiden, Tod, Auferstehung und Verherrlichung Christi und werden in das Geschehen mit hineingenommen.

Der heilige Arnold betrachtete die Eucharistie als Gedächtnisfeier des Kreuzesopfers auf Kalvaria, bei dem Jesus sich selbst dem Vater  als göttliches Lamm darbrachte. Er forderte seine Mitbrüder auf, durch das Leben in den Gelübden an dieser Hingabe teilzunehmen: „Also sollen wir uns mit dem Heiland in der heiligen Messe opfern, unsere Gelübde und den in ihnen liegenden Akt der Hingabe an Gott wiederholen und uns vor keinem Leiden fürchten.“ Durchdrungen vom Glauben an die Realpräsenz Christi in der Eucharistie, schätzte und liebte der Gründer in besonderer Weise die Anbetung des allerheiligsten Sakramentes. Seine tiefe persönliche Verbindung zu diesem Geheimnis der bleibenden Gegenwart des Herrn in seiner Kirche brachte er auf verschiedene Weise zum Ausdruck: In Vorträgen, in den von ihm verfassten Gebeten, die sich an den im heiligsten Sakrament gegenwärtigen Christus richten, und vor allem in seinen häufigen Besuchen und oft langem Verweilen vor dem heiligsten Sakrament. Besonders in jungen Jahren verbrachte er nicht selten nachts ganze Stunden in der Kapelle.

Seit Beginn der Gründung der Schwesternkongregation hatte sich Arnold Janssen eine Kongregation mit zwei Zweigen vorgestellt: die der Missions- und die der Anbetungsschwestern. Letztere nennt er „Missionarinnen auf den Knien“, da sie den Auftrag erhielten, in besonderer Weise für die Mission zu beten. Hermann Fischer bezeugt von Arnold, dass für ihn alle Reichgottesarbeit an erster und entscheidender Stelle Gebetsarbeit war. Die Worte, die Arnold bei der Predigt der Eröffnung der Abteilung der Anbetungsschwestern spricht, sind charakteristisch für seine hohe Wertschätzung des Gebetes vor dem ausgesetzten Allerheiligsten Sakrament: „Die Klausurschwestern sollten wie Maria zu Füßen des Herrn sitzen, Ihn bei Tag und Nacht verherrlichen durch das göttliche Offizium und, sobald ihre Zahl es erlaubt, ewige Anbetung vor dem heiligsten Sakramente halten und so reiche Gnaden auf die heilige Kirche und die Genossenschaft herabflehen.“

 Sr. Franziska C. Rehbein, SSpS
 
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