Impulse zum 100. Todesjahr des
hl. Josef Freinademetz SVD

von Pietro Irsara, SVD
Praeses des Freinademetz-Geburtshauses in Oies, Abtei, Italien


Publikationsdatum: 01.Januar 2008

„Meine Jahre neigen stark und mit Riesenschritten dem Ende zu. Da fühlt und bedauert man so recht sehr, dass man eine so lange und gnadenreiche Reihe von Lebensjahren nicht besser in vinea domini (im Weingarten Gottes) verwendet; möchte man wenigstens zur elften Stunde aufwachen und mit ganzer Kraft schaffen solange es noch Zeit ist. Ihr frommes Gebet hilft mir.“
Josef Freinademetz an Theodor Buddenbrock, Febr. 1907

Thema 3
Der Zauber seines Wesens

„Von seinem milden, freundlichen Wesen ging ein Zauber aus, der die Herzen aller gewann, die ihm näher traten“ So charakterisiert Bischof Henninghaus Josef Freinademetz, und weiter: „Aus diesen Augen strahlte für gewöhn¬lich so viele herzgewinnende Güte, eine solche milde Heiterkeit, dass die Chinesen sich sehr bald ihm gegenüber vertraut und heimisch fühl¬ten.“
Mögen sich Sprache und Ausdrucksweise des beginnenden 20.Jahrhunderts heutzutage übertrieben anhören, aber Freinademetz scheint tatsächlich eine gewinnende, „nimmermüde Güte und Freundlichkeit“ besessen, eine Eselsgeduld gehabt und eine „edle, sich selbst vergessende Liebe“ ausgestrahlt zu haben.

Diese Güte verließ ihn auch nicht, so Henninghaus, „beim Tadeln und Strafen“, obwohl er an Mitbrüder und Christen „keine geringen Anforderungen“ stellte. Wenn er einmal ernst und zornig wurde, so ging das, was er sagte, „durch Mark und Bein“, zitiert Henninghaus chinesische Christen. Zu Handgreiflichkeiten ließ er sich offensichtlich nie hinreißen: „Die Hand des Priesters ist zum Segnen und nicht zum Schlagen“ da, war einer seiner Leitsprüche.

Je länger Freinademetz unter den Chinesen lebte und ar¬beitete, desto mehr Verständnis brachte er für sie und ihre Art und Lebensweise auf, desto mehr kam aber auch sein natürliches Wesen zum Vorschein. Bischof Henninghaus führt „diese liebenswürdige, heitere Freundlichkeit“ auf seine natürliche Veranlagung zurück, weiß aber auch einen tieferen Grund: „Seine glückliche Naturanlage“ hatte sich „in der Schule des hlst. Herzens Jesu (…) geläutert zum reinen Golde überna¬türlicher, edler Selbstlosigkeit, und in ihr hatte er jene Selbst¬beherrschung errungen, die von Stimmungen und vom Wetter sich nicht beeinflussen lässt.“
Das heißt keineswegs, dass „leidvolle Tage“ gefehlt hätten, betont der Bischof und meint, Freinademetz habe oft genug Zeiten erlebt, da er mit dem Psalmisten sagen konnte: „Mit Tränen mische ich meinen Trank“ (Ps 102,10b). 

Daß er Enttäuschungen, Fehlschläge und ärgerliche Dinge nicht auf dem Rücken anderer ausbadete, führt der Bischof auf „den Kern seines Charakters“ zurück, auf seine Selbstlosigkeit: „Andern nichts verweigern, für sich selbst aber nichts verlangen“ war nicht umsonst ein weiterer Leitsatz von P. Freinademetz; oder wie P. Johannes Blick ihn zitiert: „Die Heiden werden nur durch die Gnade Gottes und, fügen wir hinzu, durch unsere Liebe bekehrt“; denn „die Sprache der Liebe ist die einzige Fremdsprache, welche die Heiden verstehen.“ Freinademetz hat diese „Fremdsprache“ offensichtlich bestens zu „sprechen“ gelernt.

Quellen: Henninghaus pp. 69, 77f., 81, 82, 83; Erinnerungen p. 99;  

Zur Besinnung

Ein Mitstudent in Brixen, der Redemptorist P. Franz Mair, beschrieb P. Freinademetz folgendermaßen: „Ich finde (für ihn) keine bessere Bezeichnung als die: die Verkörperung der 12 Früchte des hl. Geistes, als eine Persönlichkeit, die die übernatürliche Tugend der Gelassenheit ausstrahlt. Es war der Geist der Liebe, der stillen Freude, des inneren Friedens, der Milde, der Sittsam¬keit, der sich nach außen dokumentierte.“
- In welcher Weise beeindruckt mich diese Lebenshaltung? Sind das Tugenden, die ich anstrebe?

 

Die tägliche Erfahrung zeigt uns, wie schwer verständnisvolle und geduldige Nächstenliebe oft genug ist. Kann das Beispiel dieses Heiligen uns helfen und anspornen, uns in diese selbstlos dienende Liebe und Güte einzuüben?

Wie verhalte ich mich dem gegenüber, der mir abweisend gegenübersteht, von dessen Seite ich keine Liebe erfahre?

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