Impulse zum 100. Todesjahr des
hl. Josef Freinademetz SVD
von Pietro Irsara, SVD
Praeses des Freinademetz-Geburtshauses
in Oies, Abtei, Italien
Publikationsdatum: 24..Februar 2008
Thema 4
Lebenselement Gebet
Josef Freinademetz arbeitete viel - und betete viel! Oft und oft verweilte er bis tief in die Nacht hinein vor dem Tabernakel. Es gibt fast keinen Brief, in dem nicht die Bitte enthalten ist, seiner, der ihm anvertrauten Chinesen und der ganzen Mission im Gebet zu gedenken, so wie auch er selbst immer wieder betont und bekräftigt, dass er die Adressaten nie vergisst und immer wieder dem Herzen Jesu und der Gottesmutter empfiehlt.
Von Steyl aus, also noch bevor er auf Nimmerwiedersehen seine Heimat verlässt, schreibt er: „Betet und dankt Gott auch Ihr täglich wenigstens mit einem Vater Unser und Gegrüßt seist du Maria, dass er die Güte hatte, einen Missionar aus unserer Familie zu berufen.“ Diese Berufung hatte er sich regelrecht „erbetet“: „Nachdem ich mich oft mit dem heiligsten Herzen Jesu im Gebete beraten habe, und sich mir dieser Gedanke gerade zur Zeit des Gebetes besonders stark vordrängt, so glaube ich darin wirklich einen Wink finden zu dürfen …“ heißt es in seinem Aufnahmegesuch an Arnold Janssen.
Bevor er nach Steyl fährt, ruft er in seiner Abschiedspredigt in St.Martin die Gläubigen auf: „Betet! Das Gebet ist der Schlüssel zum Paradies. Das Gebet ist der Stab auf unserem Pilgerweg; die Quelle lebenspendenden Wassers; die Speise, die unsere Seele stärkt.“
Mit dem Gedanken auf ein Wiedersehen im Paradies tröstet er sich auch über den endgültigen Abschied von Familie und Heimat hinweg, aber dafür ist das Gebet die Voraussetzung. Auf der Reise nach China, von Singapur aus, heißt es in einem Brief an die Eltern: „Betet für mich, und ich werde für Euch beten, dass dieser Tag für uns alle ein Tag der Freude sei. Betet auch, dass ich die Gnade habe, vorerst viel im Weinberg des Herrn zu arbeiten zum Heil der Seelen.“
Wie sehr diese Arbeit im Weinberg des Herrn mit Gebet verbunden war, schildert er selbst in einem langen Bericht nach Steyl: „Ich stand allein mitten unter einem ganz heidnischen Volke. (…) Deo gratias! (…) Nun aber, was werde ich hier tun, was ausrichten? (…) Guter Gott, Du baue, sonst baue ich umsonst; Du kämpfe, Du wache, sonst kämpfe, sonst wache ich umsonst! Groß wäre wohl die Ernte, aber … Doch Gott will es! Also auf und gearbeitet!“
Für P. Anton Volkert, der seine Lehrzeit als Missionar mit P. Freinademetz verbrachte, war er „ein Mann des Gebetes“: „Auf der Reise saß er im Wagen und betete oder las. Daheim sah man ihn über Tag oft in der Kirche im Gebet versunken, und das oft bis spät in die Nacht.“
Auch für Bischof Henninghaus war P. Freinademetz „ein Mann des Gebetes. Ihm war das Gebet Lebenselement und Lebensfreude. Den ersten Platz in seinem Andachtsleben nahmen die beiden heiligen Priester-Aufgaben: die tägliche hl. Messe und das Breviergebet, ein. Auch auf mühseligen Missionsreisen unterließ er niemals diese beiden heiligen Verrichtungen. (...) Selbst im Drange der Arbeit suchte er letzteres (das Breviergebet) zur rechten Zeit zu beten. (…) Da konnte man ihn knien sehen vor dem Altare, lange Zeit und oftmals im Tage, in stiller Andacht versunken. Man kann ruhig sagen, dass er sozusagen alle Zeit, die nicht durch anderweitige Berufspflichten in Anspruch genommen war, dem Gebete widmete. Seine Andacht wandte sich dabei ganz besonders dem hlst. Herzen Jesu zu. Die Liebe und Verehrung des hlst. Herzens war für ihn, als Tiroler, sozusagen ein angestammtes Erbe. Der Schwur, mit dem seine Väter sich dem heiligsten Herzen geweiht, war auch ihm heilig und entsprach ganz und gar dem Zuge seines eigenen Herzens. Diese Liebe und Andacht andern einzupflanzen war darum auch stets sein Bestreben.“
Quellen: Brief an Franz Thaler, Lettere p. 62; Brief an die Eltern und Geschwister, Steyl 29.10.1878, Lettere p. 15; Bornemann pp. 36, 40, 148; Brief aus Singapur, 14. April 1879, Lettere p. 21; Berichte p. 61; Henninghaus p. 83f.
Zur Besinnung
Josef Freinademetz war überzeugt von der Kraft des Gebetes. Das machte ihn furchtlos. „Mag die ganze Welt zusammenfallen, Gott lässt das Gebet nicht ungehört: Nur das eine ist immer notwendig, dass wir viel beten. Ein Leben ohne Gebet ist der sicherste Weg zur Hölle. Vergesst es nie, für uns und alle Missionare zu beten.“
- Bin ich überzeugt von der Kraft des Gebetes?
- Kann man von mir sagen: „Er ist ein Mann des Gebetes“?
Freinademetz wusste, nicht Gott braucht das Gebet, sondern wir brauchen für unser Leben das Gebet. Er vergaß auch nie, dass unser Beten nicht nur die eigenen Sorgen und Probleme, sondern vor allem die der anderen zum Inhalt haben muss. Betend werden wir so zur Stimme der Kirche in der ganzen Welt - so wie Josef Freinademetz in China.
- Hat mein Gebet die Probleme und die Sorgen der anderen zum Inhalt?
- Bete ich um Gottes Hilfe für unsere Mitbrüder, für unsere Missionare und für eine segensreiche Mission?
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