Impulse zum 100. Todesjahr des
hl. Josef Freinademetz SVD

von Pietro Irsara, SVD
Praeses des Freinademetz-Geburtshauses in Oies, Abtei, Italien


Publikationsdatum: 16. April 2008

Thema 6
Ein Zeugnis des Dankes

Thomas Tien SVD, der erste chinesische Kardinal, war Schüler des P. Josef Freinademetz. Im Mai 1963 besuchte er Oies und richtete in der Pfarrkirche von St. Leonhard/Abtei, in der Josef Freinademetz getauft worden war, seine Primiz gefeiert und Abschied von der Heimat genommen hatte, einige Worte in Deutsch an die Pfarrgemeinde.
 
„ ... Meine Lieben! Es ist mir eine tiefe Freude, in eurer Gemeinde zu sein und ein aufrichtiges Herzensbedürfnis, eurer Gemeinde und eurem Volke meinen und meines Volkes Dank zu bringen für den heiligen Missionär, den ihr uns ge­sandt habt. Pater Freinademetz, der Diener Gottes, war ein Mis­sionär, wie er vom Herrgott bestimmt gedacht ist, wie wir uns keinen besseren wünschen konnten. Dass er Missionär war, er­sehen wir aus dem großen Leid, das er tragen musste, um über­haupt in meiner Heimat Fuß zu fassen, um dort den Glauben verkünden zu können. Meine Heimat ist ja einmal die Heimat eines Konfuzius gewesen; und weil sie es war, waren gerade die gebildeten Stände meiner engeren Heimat sehr gegen jeden aus­ländischen Missionär. Sie suchten es auf jede Weise zu verhin­dern, dass überhaupt ein Missionär dort Fuß fasste; und aus dieser Tatsache heraus könnt ihr entnehmen, dass es ein Kreuzweg war, den euer Diener Gottes dort in meiner Heimat zunächst gehen musste. Aber wie der Heiland sein Kreuz getragen, so trug er es heldenhaft: er nahm auf sich jede Schmach und jede Schwierigkeit, die man ihm antat nur um des Heiles willen, um Seelen zu retten. Und die Gnade Gottes hat gesiegt.

(...)  Schon lange, viele Jahre habe ich mich gesehnt nach der Heimat eures hl. Missionärs zu kommen und nun, da mir das Glück zuteil geworden hier bei euch zu sein, ist meine Freude vollkommen. Mein Hoffen und Sehnen ist wirklich gestillt. Ich musste hierher kommen, um euch von ihm zu erzählen, hatte ich doch das Glück nahe zu acht Jahre mit ihm noch zusammen zu sein. Er nahm mich auf zunächst in die Volksschule, dann ins Priesterseminar. Dort durfte ich ihm oft zur hl. Messe dienen, durfte immer wieder seine Unterweisungen erhalten, und für das, was ich von ihm erhalten, dafür kann ich ihm nie ge­nug danken. Er war ein vollkommener Missionär. Nicht nur weil er so schweres Kreuz und Leid tragen musste, auch weil er dort in meiner Heimat allen alles geworden ist. Wer Freude im Her­zen zu ihm brachte, mit dem freute er sich; wer im Leid zu ihm kam, der fand bei ihm Trost und Hilfe. Wir haben ihn einfach­ hin „unsere Mutter“ genannt. Er half uns, wo er nur konnte und er hilft auch heute noch. Nicht nur in eurer Heimat wird er an­gefleht um Hilfe und Schutz, nicht nur ihr erfahrt Erhöhrung, wenn ihr zu ihm betet. Auch mein Volk, auch unsere Gläubigen beten jetzt noch zu ihm; und wer zu ihm gebetet hat, ist nie unerhört geblieben.
Meine Lieben! Darum meine große Freude in seiner Heimat zu sein, in dem Gotteshaus zu sein und beten und opfern zu dürfen, in dem er zum Gotteskinde wurde; in dieser Kirche das hl. Opfer feiern zu dürfen, in der er groß geworden ist und zu dem Missionär wurde, der er dann in meiner Heimat gewesen ist.“

Quellen: Bornemann p. 805;

Zur Besinnung

Kardinal Tien sagte: „Das Bild dieses vor dem Tabernakel knienden Priesters ist unauslöschlich in meiner Erinnerung haften geblieben.“
- Suche ich das persönliche Gebet vor dem Tabernakel?

Kardinal Tien sagte: „P. Freinademetz war einfach nur für andere da. Wir wussten, dass wir immer zu ihm kommen konnten. Wir fielen ihm nie lästig, niemals. Er blieb immer freundlich, er war ein Heiliger.“ 
-  Menschenfreundliche Güte gehört zum Wesen der Mission. Wie ist mein Verhalten denen gegenüber, die nicht so denken wie ich, die anderen Kulturen angehören, oder die arm sind und ausgegrenzt werden?


zurück zu Haupt-Seite