Impulse zum 100. Todesjahr des
hl. Josef Freinademetz SVD

von Pietro Irsara, SVD
Praeses des Freinademetz-Geburtshauses in Oies, Abtei, Italien


Publikationsdatum: 21. Mai 2008

Thema 7
Leib und Seele

Im Februar 1898 besuchte P. Freinademetz als Vertreter des Bischofs die deutschen Kolonialtruppen, die im November des Vorjahres die Bucht von Kiaochow besetzt hatten. Die Soldaten waren tief beeindruckt. Hauptmann Dannhauer beschrieb im Berliner Lokalanzeiger den Missionar: „Seiner an und für sich reckenhaften, ehedem wohl echten Tiroler Kraftgestalt sind auch die zahlreichen Leiden und Entbehrungen anzusehen, die er während der neunzehnjährigen, ununterbrochenen Aus­übung seines schweren Missionsamtes im Innern Chinas durchzumachen hatte. Doch, trägt er auch den Nacken gebeugt, sind auch Gesicht und Wangen schmal, bleich und abgemagert, und seine Augen tief in die Höhlen gesunken: gerade aus diesen Augen, so freund­lich und mild sie für gewöhnlich blicken, funkelt uns Begeisterung und unbeugsame Energie entgegen, sobald er beim Erzählen seinen Beruf berührt.“
           
Zu dieser Zeit war P. Freinademetz nicht mehr der gesündeste. Die jahrelangen Strapazen und Entbehrungen machten sich immer mehr bemerkbar. Schließlich versagte ihm die Stimme, Er, der so gerne und eifrig predigte, konnte nicht mehr laut reden. Kehlkopf und Atmungsorgane waren angegriffen, er spuckte Blut.

Als Bischof Anzer Mitte Mai 1898 aus Europa zurückkam, schickte er seinen Provikar zu einer gründlichen Untersuchung nach Shanghai. Der Befund zeigte, dass die Lunge angegriffen war. Der Arzt verordnete ihm absolute Ruhe und Erholung. Der Bischof schickte ihn nach Nagasaki in Japan. Freinademetz fiel es schwer, sich von „seiner“ Mission zu trennen. Das Publikum im nach europäischen Maßstäben eingerichteten Kurort Unzen entsprach nicht seinem Milieu. Schon nach wenigen Wochen war er zurück in China. Er fühlte sich besser, geheilt war er nicht. Das Predigen war ihm vorläufig noch untersagt. Er stellte sein Leben Gott anheim und bedankte sich beim Bischof, dass er ihm „so großmütig diese Erholungs­reise gestattet“ hatte.

Freinademetz schonte sich selbst nicht, trieb zum Teil Raubbau an seinem Körper. Ob er recht daran tat? Als Provinzial war er andererseits sehr besorgt um das körperliche und geistige Wohl seiner Mitbrüder, baute das Zentralhaus in Taikia aus und forderte die Missionare auf, die dortigen Räumlichkeiten und Möglichkeiten zu Erholung, Exerzitien und Weiterbildung zu nutzen. Es war ihm ein Anliegen, dass sich seine Mitbrüder dort wohlfühlten.
Bei aller Askese und persönlichen Bescheidenheit war P. Freinademetz offensichtlich ein geselliger Mensch, der auch gern zu Scherzen neigte. „Ebensowenig wie zu den ‚Donnersöhnen’, gehörte P.Freinademetz zu den Kopfhängern“, schreibt Henninghaus, und:  „Wo er denn auch war, herrschte meist heitere Stimmung; er gehörte auch als Oberer nicht zu den Leuten, deren Nähe wie ein kalter Nebel drückend und lähmend auf die Umgebung wirkt.“

Quellen: Bornemann p. 273; Henninghaus pp. 394 und 82f.;

Zur Besinnung

Der Dienst im Weinberg des Herren verlangt, dass wir auf unsere Gesundheit schauen, dass wir uns Zeit nehmen für Einkehr und Besinnung, damit auch das geistige Leben nicht zu kurz kommt. Leib und Seele müssen harmonieren, das macht den Menschen froh und zufrieden.

Bin ich dankbar für meine Gesundheit und erkenne ich sie als Geschenk Gottes?
Schaue ich auf meine Gesundheit? Gehe ich frühzeitig zum Arzt, wenn Beschwerden und Gebrechen zutage treten?
Versuche ich auch in meinem Alter oder in der Krankheit den Willen Gottes zu erkunden und mein eventuelles Leiden mit Humor und Ergebenheit zu ertragen?


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