Impulse zum 100. Todesjahr des
hl. Josef Freinademetz SVD

von Pietro Irsara, SVD
Praeses des Freinademetz-Geburtshauses in Oies, Abtei, Italien


Publikationsdatum: 28.Juni 2008

Thema 8
Dem Ende entgegen

Anfang Januar 1882 hatte der damalige Apostolische Vikar von ganz Shantung, der Franziskaner Msgr. Eligius Cosi, Johann Baptist Anzer zu seinem Provikar für Süd-Shantung ernannt. Dieser reiste einige Tage später nach Puoli, wo sich die einzige, kleine Christengemeinde des den Steyler Missionaren anvertrauten Missionsgebietes befand.

Als die Mission in Süd-Shantung am 28. Januar 1907 ihr 25jähriges Bestehen feierte, konnte niemand ahnen, dass auf den Tag genau ein Jahr darauf das Licht des großen Missionars aus Südtirol erlöschen würde. – Bischof Anzer war bereits 1903 gestorben. 
Die Jubiläumsfeiern waren geprägt vom Dank an Gott für den Schutz und Segen, den die Mission hatte erfahren dürfen. P. Freinademetz war in Yenchowfu. Der Tag war für ihn nicht nur mit einer Rückschau verbunden, sondern auch mit einem Ausblick in die Zukunft: Er konnte an diesem Tag 150 Neuchristen taufen. Er selbst hatte sie in einem mehrwöchigen Kurs gründlich vorbereitet.

Wie Bischof Henninghaus in seiner Biographie rückblickend schreibt, war P. Freinademetz zu dieser Zeit bereits deutlich geschwächt. Krankheiten, Mühen und Leiden hatten „bei ihm ihre Spuren hinterlassen, Silberfäden in sein Haar eingewirkt und seinen freundlichen Zügen gar manche Furchen eingegraben; seine Stimme hatte den früheren hellen, metallischen Klang verloren. Aber trotz alledem hielt er nach wie vor fest an seinen asketischen und frommen Lebensgewohnheiten. Seine Strenge gegen sich selbst hatte nicht im mindesten nachgelassen; seine milde, herzliche Freundlichkeit war immer noch die gleiche, und erst recht glühte in der Brust des reifen Mannes noch die ‚erste Liebe’, das hl. Feuer des Seeleneifers. Dieser verlieh ihm Jugendfrische, Arbeitskraft und Arbeitsfreudigkeit zu allen Aufgaben, die für das Wohl der Mission ihm aufgebürdet wurden.“

Ein halbes Jahr nach der Jubiläumsfeier, Anfang Juni 1907, trat Bischof Henninghaus seine erste Europareise als Oberhirte an. Also musste P. Freinademetz wiederum die Leitung der Mission übernehmen. Er war damit  zum sechsten Mal Administrator.
Mitte August begann er im Osten der Mission mit der Visitation, die ihn über drei Monate von der Zentrale fernhielt. Ein Unfall und verschiedene Strapazen machten ihm schwer zu schaffen, Nieren und Herz versagten, er hatte Wasser in den dick angeschwollenen Füßen und Beinen und mußte wiederholt Ruhetage einlegen. Im Dezember kehrte er nach Yenchowfu zurück. Er wollte sich auf die Regional-Synode vorbereiten, an der er den Bischof vertreten sollte, aber dazu kam es nicht mehr. In Yenchowfu wütete der Typhus, er hatte der Mission bereits schwere Opfer abverlangt. Josef Freinademetz schonte sich nicht und wurde angesteckt. Sein geschwächter Körper hatte dem nichts mehr entgegenzusetzen.

Quellen: Henninghaus, p. 619;

Zur Besinnung

Jeder Mensch will lang leben, also alt werden. Aber wie bereiten wir uns auf unser Altwerden vor?
Freinademetz hat einige Male seinen Ordensoberen gebeten, ihn vom Amt des Provinzials zu entlasten. – Inwiefern bringen wir es fertig, Jüngeren Verantwortung zu übertragen?

Trotz Krankheit, körperlicher Gebrechen und Leiden spürte man in Josef Freinademetz „Jugendfrische, Arbeitskraft und Arbeitsfreudigkeit zu allen Aufgaben“.

Wie kann ich lernen, „Arbeitsfreude“ zu erhalten, auch wenn körperliche Beschwerden auftreten?


zurück zu Haupt-Seite