hl. Arnold Janssen:

DEM TODE ENTGEGEN – DER ABSCHIED DES „ PATER DUX FUNDATOR“

Liederkranz zum Abschied von diesem Erdenleben

Am 24. Juni 1908 war Arnold Janssen von St. Gabriel aus in das neue österreichische Missionshaus St. Rupert / Bischofshofen gefahren.
Dort schrieb er einen „Liederkranz zum Abschied von diesem Erdenleben“;
das erste Lied vom 1. Juli 1908  war ein Lied zu „Ehren des himmlischen Vaters,“
das zweite vom 2. Juli zu „Ehren des heiligsten Gottessohnes“
und das dritte vom 14. Juli zu „Ehren des großen Vaters der Liebe, des Hl. Geistes“.
Das erste war das kürzeste, das dritte das längste.
Hier sind einige Strophen aus dem dritten Lied zu Ehren des großen Vaters der Liebe,
des Hl. Geistes, in dem er Rückschau auf sein Leben hielt –
ein Leben unter der Führung des Heiligen Geistes, ein Leben im Geiste:

Am Abend meiner Lebenstage,
Komm ich zu Dir, Gott, Heil’ger Geist.
Um innigst Lob und Dank zu sagen
Vor Dir, den meine Seele preist.

Nie kann ich, Gott der schönen Liebe,
Genug Dich loben, danken Dir.
Du gabst mir, was ich hab auf Erden,
Auch Leib und Seel’ verdank ich Dir.

Du gabst Verstand Dich zu erkennen,
Und Kräfte auch zu lieben Dich.
Wie dank ich Dir, dass Du gegeben
Zu richten Beides auch auf Dich.

Du machtest mich zum Kind der Kirche
Gabst fromme Eltern, Lehrer mir.
So kam ich auf die Bahn des Guten,
Dies alles, alles dank’ ich Dir.

Du gabst mir Fähigkeit zu lernen,
Zogst durch die Gnade mich an Dich,
Beriefest mich zum Priestertume,
Und bahntest mir den Weg dahin.

So bin ich, Herr, Dein Sohn geworden,
Du gabest Kraft und Gnad’ für Dich,
Hast mich mit Deinem Öl gesalbet
Erfüllt mit Deinem Geiste mich.

Dann hab als Priester ich gewirket,
Gekämpfet für Dein heilig Reich.
Zum Beten angespornt die Menschen
Und selbst mich angespornt zugleich.

So hast Du, Herr, mir eingegeben
Zu wirken für der Seelen Not;
Für sie zu bilden fromme Priester,
Zu retten sie, wie Gott gebot.

Doch war’s nicht ich, der dieses wirkte,
Du selbst hast dieses Werk vollbracht,>
du gabest Gnad dafür und Helfer
Ich selbst hätt’ alles falsch gemacht.

Drum sei, o Geist der ew’gen Liebe
Für alles Lieb und Dank gebracht.
Verzeih, dass ich so schwach geliebet,
So wenig hab für Dich vollbracht.

Doch nun, wenn ende ich dies Leben
So gib, o liebster Tröster mein,
Dass ich mit Dir vereinigt werde
Und geh’ in Deine Ruhe ein.

Und wenn ich dann die Aug’ geschlossen,
Lass Andr’ an meiner Stelle steht
Und meine Söhne, meine Töchter
In meinem Geiste zu Dir flehn.

Dass sie vereint aus allen Kräften
Lobpreisen Dich stets für und für.
Und fördern Deine Ehre weiter,
Da ich nur schwach gewirkt dafür.

Und doch, o Du der Liebe Vater,
Ist froh mein Herz zum Dank bewegt,
Dass ich zu ein’gem hab geholfen
Wozu Du selbst mich angeregt. ...

 

Im Juni 1908 fühlte Arnold Janssen sich sehr schwach. Für Freitag den 19. Juni und Montag, den 22. Juni, hatte er zwei Konferenzen zum Abschluss seines Aufenthaltes in St. Gabriel für die Priester dort geplant. Wegen seiner Schwäche konnte er die ausgearbeiteten Konferenzen selber nicht halten, sondern der Regional für Europa,
P. Reidick, las dieselben zum größten Teil in Arnold’s Gegenwart vor. Seine Krankheit ließ in ihm Zweifel aufkommen, ob er noch einmal nach St. Gabriel zurückkehren werde, und er sagte den Patres:
Ob ich nächstes Jahr wiederkommen werde, weiß ich nicht.
Vielleicht kann es geschehen, und dann muss wahrscheinlich die Weihe etwas später gelegt werden. Aber vielleicht werde ich nicht mehr wiederkommen, und ich selbst möchte dieses glauben, da meine Krankheit sich stärker und stärker entwickelt.
Es kann sein, dass ich noch das nächste Generalkapitel erlebe.
Aber es kann auch nicht sein. Jedenfalls fühle ich das Bedürfnis, mich auf den herannahenden Tod entschieden vorzubereiten. Deshalb bitte ich um Ihr inbrünstiges Gebet, Gott der Herr möge mir die Gnade verleihen, das noch zu ordnen und zu vollbringen, was zum Wohle der Gesellschaft am meisten nötig ist.

(in Rohner, Arnold Janssen, Priesterkonferenzen 1888-1908, Analecta SVD – 49, S. 143).

 

Am 30. Oktober 1908 entglitt Arnold beim Unterschreiben der Briefe die Feder.
Am 31. Oktober sagte er mittags: „Ich fürchte einen Schlaganfall.“
Am 1. November übernahm P. Generalassistent Nikolaus Blum die Leitung
der Gesellschaft des Göttlichen Wortes und der Schwesterngenossenschaft.
[DAMALS NOCH EINE GENOSSENSCHAFT MIT ZWEI ZWEIGEN]

 

Am 13. November 1908 diktierte Arnold Janssen einen Abschiedsbrief
an Bischof Henninghaus in China. Darin heißt es u. a.:
Ich fühle mich gedrungen, Euer Bischöflichen Gnaden von meinem Krankenlager aus ein vielleicht letztes Lebewohl für diese Erde zuzurufen. ...
Vor etwa zwei Wochen hat mich die Hand des Herrn schwer getroffen.
Meine Krankheit verschlimmerte sich bedeutend, und jetzt sehe ich meinem Ende entgegen. Ich vertraue aber auf die Güte des Herrn und auf den Erlösungstod Jesu Christi. Ich fürchte mich nicht, dieses Leben zu verlassen, sondern freue mich vielmehr auf das wahre Leben, das dann seinen Anfang nimmt.
Im Leben und im Tode ist der Herr meine Zuversicht und meine Hoffnung.
Wenn wir uns, lieber hochwürdigster Herr Bischof, auch für dieses kurze irdische Leben trennen müssen, so ist die Trennung doch nicht ewig, denn frohes Wiedersehen am Herzen unseres Gottes ist unsere Hoffnung.
Seit dem 31. Oktober ist es mir leider nicht mehr möglich, das hl. Opfer darzubringen. Meine Arme und Hände sind gelähmt, und auch sonst bin ich überaus schwach und matt. Doch auch hierin geschehe der Wille des Herrn, der dieses Opfer von mir verlangt.

(Briefe nach China, Band III, S. 275-277).

 

Am 13. November diktiert er an Bischof Henninghaus in China:
Am Schlusse meines Lebens empfehle ich die Gesellschaft, für deren Wohl ich gelebt und gearbeitet habe, dem Schutze Gottes und aller ihrer heil. Patrone.
Auch Sie, lieber hochwürdigste Herr Bischof, bitte ich recht inständig,
das Interesse und das Wohlwollen, das Sie der Gesellschaft bisher immer
entgegengebracht haben, auch fernerhin zu bewahren.

(Briefe nach China, Band III, S. 278).

 

Am selben Tag diktierte er an P. Regional Vilsterman in China:
Zum letzten Mal vielleicht auf dieser Erde trete ich mit Ihnen in Verkehr.
Ich fühle mein Ende herannahen, möchte aber nicht scheiden, ohne von Ihnen,
lieber P. Regional, sowie von allen dortigen Missionaren
herzlich Abschied genommen zu haben. ....
Alle Ihnen, lieber hochwürdige P. Regional, Unterstellten ermahne ich als ihr geistlicher Vater, der dem Tode ins Auge schaut, doch treu zu arbeiten im Weinberge des Herrn,
denn die Ernte ist groß, aber der Arbeiter sind wenige. ....
Schließlich spende ich noch einmal Ihnen allen meinen priesterlichen
und väterlichen Segen und bitte alle, meiner im Gebete zu gedenken.

(Briefe nach China, Band III, S. 278.279).

 

Am 14. November diktierte Arnold Janssen einen Brief
an P. Colling in Argentinien, in dem u. a. zu lesen ist:
Lieber P. Regional!
Sie werden vielleicht schon gehört haben, dass ich recht ernstlich erkrankt bin.
Seit dem 31. Oktober ist es mir nicht mehr möglich, die heil. Messe zu lesen,
da ich ganz geschwächt bin  und an den Händen gelähmt.
Das schmerzt mich aber nicht, sondern ich ergebe mich ganz in den göttlichen Willen und lasse Gott den Herrn mit mir machen, was er will. Ich preise seinen heil. Willen zu jeder Zeit und wünsche ihn nur zu erfüllen. Mag er noch Härteres über mich bestimmen,
ich bin zu allem bereit und nehme alles aus seiner Hand entgegen, Gutes und Schlimmes. Sein Name sei gebenedeit von nun an bis in Ewigkeit; das ist mein Wahlspruch.

(Briefe nach Südamerika, Band IV, S. 455-456)

 

Am gleichen Tage (14. November) schrieb er auch an P. Regional Schmid in Brasilien:
Auch Ihnen wird es vielleicht wehe tun, dass ich jetzt krank bin und infolgedessen nicht arbeiten kann, aber ich bin ganz zufrieden und wünsche nichts anderes,
als was Gottes Vorsehung über mich beschließt.“
„Ein besonderes Lob muss ich Ihnen spenden, dass Sie sich in allen Anordnungen,
die Sie trafen, an mich um Rat gewandt haben, und ich habe auch alles,
um das Sie baten, gern bewilligt.
Für diese Ihre Treue danke ich Ihnen ganz besonders und drücke Ihnen meine Hochachtung und Verehrung aus. Möchten doch nur alle so handeln,
wie Sie gehandelt haben. Glauben Sie aber nicht, dieses Lob sei nicht in meinem Auftrage geschrieben, denn jede Zeile ist mir ausdrücklich vorgelesen worden, und ich habe jede ausdrücklich gebilligt.
Teilen Sie auch bitte den Ihnen untergebenen Priestern und Brüdern mit,
dass ich ihnen allen meinen priesterlichen und väterlichen Segen spende,
und dass ich wünsche, sie alle später im Himmel wieder zu sehen...“

(Briefe nach Südamerika, Band IV, S. 457-458).

 

An den Apostolischen Präfekten und Gesellschaftsoberen in Neuguinea, P. Limbrock, diktierte Arnold Janssen am 15. November einen Abschiedsbrief, in dem es u. a. hieß:
Ich teile Ihnen mit, dass ich seit 14 Tagen recht erheblich erkrankt bin...
Zum Arbeiten bin ich jetzt auch nicht mehr im Stande, da ich ganz geschwächt bin
und meine Hände ihren Dienst versagen. Ich bin aber mit allem einverstanden und nehme alles so aus der Hand Gottes an, wie er es über mich verhängt. Ich bin ganz ergeben in seinen heiligst. Willen und preise ihn zu jeder Stunde, in Zeit und Ewigkeit.
Möge er mit mir machen, was er will, er wird mich immer als seinen treuen Diener finden und ich bitte ihn inständig, dass nur sein heilst. Wille an mir in Erfüllung gehe“
„Nun sende ich auch Ihnen mein letztes Abschiedsbriefchen
und bitte Sie doch recht eifrig weiter zu arbeiten im Weinberge des Herrn,
wie Sie es bisher gewohnt gewesen sind zu tun. Sie haben immer fleißig gearbeitet
und Ihren Missionaren stets ein gutes Beispiel gegeben;
fahren Sie so weiter fort, dann wird der Segen über Ihre Arbeit nicht ausbleiben.
Grüßen Sie auch alle Ihnen unterstellten Patres, Brüder und Schwestern und sagen Sie ihnen, dass ich ihnen danke für die Liebe und Anhänglichkeit, die sie mir bewiesen,
und für die Gebete, die sie stets für mich verrichtet  haben.
Bitten Sie dieselben auch, dass sie immer treue Kinder der Gesellschaft bleiben mögen,
ihr in Gehorsam und Demut dienen und ausharren mögen in ihrem Berufe,
damit sie so den guten Kampf kämpfen und als treue Arbeiter in dem Weinberge des Herrn befunden werden. ...
Schließlich spende ich Ihnen allen meinen letzten priesterlichen und väterlichen Segen und empfehle mich dringend Ihrem Gebete im Leben und im Tode, damit mich Gott der Herr finde als seinen treuen Diener.

(Briefe nach Neuguinea und Australien, S. 403-404).

 

Am 16. November geht ein Brief an P. de Lange,
den Regional in den USA. Darin heißt es u.a.:
Sie werden wohl schon gehört haben, dass ich seit mehr als 14 Tagen recht bedenklich erkrankt bin. Ich lese auch seit dieser Zeit schon keine heil. Messe mehr, denn ich bin ganz geschwächt und meine Hände versagen ihren Dienst wegen Lähmung. ...
Trotzdem sende ich Ihnen einige Zeilen hinüber, und vielleicht sind es die letzten Worte, die ich an Sie richte, da ich dem Tode ins Auge schaue.
Ich danke Ihnen, sowie den Ihnen untergebenen Priestern, Brüdern und Schwestern
für die Gebete, die sie für mich verrichtet haben, ferner für die Liebe und Anhänglichkeit, die sie mir und der Gesellschaft zollten.
Dann aber bitte ich recht dringend, eifrig weiter zu arbeiten im Weinberge des Herrn als treue Arbeiter, die auf ihrem Posten stehen und jene ersetzen können, die fehlen, da die Ernte groß, aber der Arbeiter wenige sind. Bleiben Sie doch auch treue Kinder der Genossenschaft, der Sie vieles, manche vielleicht alles verdanken. Wollen Sie ihr ergeben sein in Demut und Gehorsam, dann wird der Segen für Ihre Arbeiten nicht fehlen.
Schließlich spende ich allen meinen väterlichen und priesterlichen Segen und bitte alle, meiner im Gebete nicht zu vergessen im Leben und im Tode.
Ich werde auch Ihrer gedenken, sobald ich am Throne Gottes bin.

(Briefe in die Vereinigten Staaten von Amerika, S. 417-418).

 

Eine der letzten Amtshandlungen Arnold Janssens war, in einem Briefe vom 28. Oktober 1908 dem Superior P. Lange die Zustimmung des Generalrates zur Errichtung eines Missionshauses in Techny /USA mitzuteilen. Einer der letzten Briefe, die er diktieren konnte, ging an P. Superior de Lange. (Die allerletzten Briefe diktierte er am 4. Januar 1909), In diesem Briefe vom 2. Januar 1909 heißt es u. a.:
Wichtiger ist die Frage, die Sie mir bezüglich des Namens des Missionshauses vorlegen. Gewiss verdient die hl. Muttergottes, dass es ihr zu Ehren benannt werde.
Geht man aber weiter und fragt: Wird der Hl. Geist es nicht noch mehr verdienen,
so scheint es mir, dass man diese Frage bejahen muss.
Der Hl. Geist ist die Fülle aller Weisheit, und darum müssen wir zu Ihm am ehesten unsere Zuflucht nehmen und namentlich, wenn es sich um ein so wichtiges Werk handelt wie die geistige Umgestaltung der Welt es ist. Auch scheint es mir, die hl. Gottesmutter wird darüber nicht unzufrieden sein. Sie wird sich vielmehr freuen, wenn Ihm diese Ehre zuteil wird, da Er ja doch alle Ehre und Herrlichkeit verdient.
Vorigen Ostern machte ich noch vor den Alumnen in St. Gabriel die Bemerkung,
dass das, was besonders zu Seiner Ehre geschieht, in hohem Maße gesegnet wird.
Bitte wollen Sie daraus die Folgerung ziehen in bezug auf die vorliegende Frage.
Herzlich grüßend in aller Liebe
Ihr geistlicher Vater im Herrn
gez. A. Janssen
Im Auftrag des hochw. P. Generalsuperiors unterzeichnet
Herm. Ant. Sandkamp.

(Briefe in die Vereinigten Staaten von Amerika, S. 420).

 

Am 16. November an P. Regional Kost in Togo schrieb er:
„Nun muss ich auch Ihnen, lieber P. Kost ein letztes Abschiedsbriefchen
hinüber schicken. ...
Ein besonderes Lob muss ich Ihnen, lieber P. Kost, spenden, dass Sie immer der Gesellschaft treu angehangen haben und mir in Liebe ergeben waren.
Sie suchten immer die Ehre Gottes zu befördern
und haben stets eifrig im Weinberge des Herrn gearbeitet.
Empfangen Sie dafür meinen herzlichsten Dank und ich freue mich, dass Sie diese Wege immer eingehalten haben. So ist es recht; fahren Sie auf diese Weise fort zu arbeiten.
Glauben Sie aber nicht, dass dieses nicht meine Worte seien, denn jede Zeile ist mir ausdrücklich vorgelesen worden und ich habe jede ausdrücklich gebilligt. Gehe es Ihnen darum immer gut, und mögen Sie für Ihren Eifer einstens reich belohnt werden.
Teilen Sie auch den Ihnen unterstellten Patres, Brüdern und Schwestern mit, dass ich auch Ihnen danke für die für mich verrichteten Gebete, sowie für ihre Anhänglichkeit an der Gesellschaft. Sie mögen auch treu im Weinberge Gottes weiter arbeiten,
denn sie wissen ja selbst zu gut, wie viel noch geschehen muss,
ehe das Reich Jesu Christi auf Erden verbreitet ist...
Schließlich spende ich Ihnen allen meinen priesterlichen und väterlichen Segen und bitte recht dringend für mich zu beten im Leben und im Tode.
Ich werde dasselbe auch tun, sobald ich am Throne Gottes bin, wo wir uns sicher,
wie ich sehnlichst hoffe und wünsche, wieder sehen werden.
Mit den herzlichsten Grüßen verbleibe ich in der Liebe des hl. Geistes
Ihr geistlicher Vater im Herrn
gez. Arn. Janssen“

(Generalatsarchiv 42.672a)

 

In dem Abschiedsbrief an P. Klein und die Mitbrüder in Sydney / Australien heißt es u. a.:
„Seit dem Feste Allerheiligen bin ich bis zum Tode erkrankt. ...
Darum habe ich mir vorgenommen, von allen herzlich Abschied zu nehmen,
und auch von Ihnen, lieber P. Klein, wie nicht minder von P. Wendel und den guten Brüdern Robert und Leodegar. Sie können sich ja wohl gut denken, wie ich in diesen Tagen an alle meine guten Mitbrüder denke, die ich als Kinder im Namen des Herrn liebe; dabei sind mir jene nicht weniger teuer, die am weitesten entfernt wohnen. Allen wünsche ich den reichsten Gnadensegen Gottes für ihre Arbeiten und Bemühungen und bitte zu Gott, dass Er sie segne und Sein hl. Engel sie beschütze alle Tage ihres Lebens. ....
Dann bitte ich aber, auch in Zukunft auf dem Ihnen anvertrauten Felde mit Eifer fortzuarbeiten. Wenn es auch Dornen und Disteln hervorbringt,
suchen Sie den guten Weizen zu säen, und wenn der göttliche Segen nicht fehlt,
so wird diese Saat schon 100fältige Frucht bringen. ...
Bleiben Sie aber auch treue Kinder der Genossenschaft, die Sie herangebildet hat, beobachten Sie ihre Regel immer genau, auch wenn Sie nicht unter besonderer Aufsicht stehen, denn nur Gehorsam und Demut gelten bei Gott etwas.
Schließlich spende ich Ihnen allen meinen priesterlichen und väterlichen Segen
und empfehle mich in Ihr frommes Gebet. Ich meinerseits verspreche Ihnen dasselbe
und verbleibe in der Liebe des Hl. Geistes
Ihr geistlicher Vater im Herrn   gez. Arn. Janssen

(Briefe nach Neuguinea und Australien, S. 405-406).

 

Am 18. November 1908 diktierte Arnold Janssen einen letzten Brief nach Südamerika, und zwar an P. Degenhardt, den Oberen in La Serena /Chile. Darin heißt es u.a.:
Nun muss ich auch von Ihnen, lieber P. Degenhardt, Abschied nehmen. ...
Dann bitte ich auch, alle Patres und Brüder in La Serena herzlichst von mir zu grüßen und das Wort, das ich allen ihnen meinen lieben Kindern, tief ins Herz hinein schreiben möchte, ist: nur Gott zu suchen bei allen ihren Arbeiten; dabei aber im Dienste und im Eifer für die Verehrung und Verbreitung der göttlichen Interessen sich von niemandem übertreffen zu lassen; in Demut und Gehorsam immer der Gesellschaft und ihren Vorgesetzten unterworfen zu sein und treu auszuharren auf dem Posten,
wohin die göttliche Vorsehung sie berufen hat. Wenn sie dieses tun, dann wird es ihnen immer gut gehen, auch wenn einmal trübe Tage kommen, denn nach Regen folgt Sonnenschein, und nach dem harten Winter folgt der milde Frühling.
Niemals darf man den Mut verlieren, immer ausharren, immer beten, immer arbeiten.

(Briefe nach Südamerika, Band IV, S. 460).

 

Im Dezember 1908 war eine leichte Besserung im Zustand von Arnold Janssen eingetreten. Am 21. Dezember 1908  diktierte er einen Brief an Bischof Henninghaus – den letzten Brief nach China überhaupt -, in dem es u. a. hieß:
„Ich teile Euer Bischöflichen Gnaden mit, dass meine Krankheit, die von Anfang November an ziemlich unverändert fortdauerte, vor einigen Tagen eine kleine Wendung zum Besseren genommen hat. Ich will sie nicht als groß bezeichnen, aber ich glaubte doch, sie Ihnen mitteilen zu sollen, da ich nunmehr auch die hl. Messe wieder lesen kann. Bis jetzt habe ich dieses Glück schon wider 4mal gehabt.
Allerdings ging es mit Schwierigkeit, aber die Sache bessert sich doch.
Die Schwierigkeit lag an und für sich in einer scheinbar nur geringen Sache.
Ich konnte nämlich damals wegen der Lähmung meiner Hände Zeigefinger und Daumen der einen und anderen Hand nicht so zusammenbekommen,
dass ich mit diesen 4 Fingern die hl. Gestalten brechen konnte.
Jetzt ist aber Gott Dank dieser Übelstand beseitigt, und auf diese Wese ist das Lesen der hl. Messe mir ermöglicht. Ich freue mich sehr darüber und danke Gott dem Herrn von ganzem Herzen dafür, zugleich aber mache ich mich auf weitere Prüfungen gefasst. Denn ich weiß nicht, ob dieses bleibend sein wird.

(Briefe nach China, Band III, S. 279-280).

 

Die beiden letzten veröffentlichten Abschiedsbriefe nach Südamerika
gingen am 18. November nach Chile, und zwar an die beiden Oberen
P. Kaufhold in Copiapó  und P. Degenhardt in La Serena.
In Brief an P. Kaufhold heißt es u. a.:
„Bis zum Tode bin ich erkrankt, und da drängt es mich, auch Ihnen, lieber P. Kaufhold, und den Ihnen untergebenen Patres und Brüdern ein letztes Abschiedsbriefchen hinüber zu senden. Wie gern möchte ich mit der Feder einige Zeilen des Dankes und der Liebe schicken, aber meine Hände sind ganz gelähmt, so dass ich nicht einmal die Feder fassen, selbst meinen Namen nicht schreiben kann.
Das tut mir leid, aber ich bin dennoch ganz zufrieden...
Von allen nehme ich nun Abschied, und wenn ich nicht mehr unter den Lebenden bin, dann bitte ich doch, weiter zu arbeiten am Heile der Seelen mit dem größten Eifer,
den Sie nur anwenden können. Bedenken Sie doch immer, dass die Ernte groß und der Arbeiter wenige sind. Vom Himmel aus werde ich dann immer für Sie beten und Gott bitten Sie zu beschützen in Ihrem Leiden und in Ihren Gefahren;
bei Ihren Mühen und Sorgen; Sie zu behüten bei Tag und Nacht,
wenn Sie schlafen und wenn Sie wachen. Gottes Engel sei auch stets an Ihrer Seite,
er leite und führe Sie und sei Ihr Berater bei schwierigen Verhältnissen. ...
Jeden einzelnen segne ich mit der Fülle der Gnaden, die Gott uns reichlich gibt,
wenn wir Ihn darum bitten. Alle mögen weiter arbeiten und der Gesellschaft, der sie sich verlobt haben, treu anhangen in Demut und in Gehorsam. Das wünscht Ihr geistlicher Vater, der dem Tode nahe ist; o erfüllen Sie seinen letzten Wunsch!

(Briefe nach Südamerika, Band IV, S. 458).

 

Für P. Degenhardt, den Oberen in La Serena hatte er dies zu sagen:
„Seit mehreren Jahren litt ich, wie Sie wohl wissen, an einer Krankheit,
die meine Kräfte aufzehrte. In diesen Tagen ist sie nun zum vollen Ausbruch gekommen, so dass ich mit Ernst an mein Ende denke. ....
Sie können sich denken, dass ich in diesen Tagen viel an alle meine lieben Kinder gedacht habe, besonders an jene, die draußen arbeiten. Ich versichere Sie aber, dass mir in diesen Tagen nichts so sehr Sorgen gemacht hat, und  ich an nichts so häufig gedacht habe,
als an Chile, und zwar an La Serena. Die Verhältnisse dort sind so schwierig, und es muss ein neuer Kontrakt mit dem H.H. Bischof geschlossen werden;
alles das macht mir Kummer und Sorge. ...
Wir müssen in dieser Angelegenheit viel beten, auf Gott vertrauen und abwarten,
 was die Zeit bringen wird. Gott der Herr sorgt auch für Chile, und er wird schon alles gut machen. Ich weiß aber die Regelung der Verhältnisse in guten Händen,
und ich vertraue auf P. Colling, dass er seine Aufgabe [als Visitator] zu aller Befriedigung lösen wird.
Ein großes Vertrauen setze ich aber auch auf den H.H. Erzbischof González.
Er ist ein seeleneifriger Mann und ein Hoffnungsstern für das Land Chile.
Unserer Gesellschaft ist er sehr gewogen und wünscht uns in seiner Hauptstadt zu sehen. Suchen Sie doch mit diesem Herrn in näherer Verbindung zu bleiben,
damit wir noch Manches und Besseres in Chile tun können.
Nun muss ich auch von Ihnen, lieber P. Degenhardt, Abschied nehmen.
Empfangen Sie meinen Dank für die Arbeit, die Sie für das Wohl der Gesellschaft
und für das Wohl der Kirche unternommen haben.“

Dann folgen Worte an die Patres und Brüder in La Serena, die man wohl als Vermächtnis des sterbenden Vaters, des sterbenden dux des Steyler Missionswerkes nicht nur an die Patres und Brüder in La Serena, sondern an alle Mitglieder der von Arnold Janssen gegründeten Gemeinschaften sehen kann:
„Dann bitte ich auch, alle Patres und Brüder in La Serena herzlichst von mir zu grüßen und das Wort, das ich allen meinen lieben Kindern tief ins Herz hinein schreiben möchte, ist:
 nur Gott zu suchen bei allen ihren Arbeiten;
dabei aber im Dienste und im Eifer für die Verehrung und Verbreitung der göttlichen Interessen sich von niemandem übertreffen zu lassen;
in Demut und Gehorsam immer der Gesellschaft und ihren Vorgesetzten unterworfen zu sein und treu auszuharren auf dem Posten, wohin die göttliche Vorsehung sie berufen hat. Wenn Sie dieses tun, dann wird es ihnen immer gut gehen,
auch wenn einmal trübe Tage kommen, denn nach Regen folgt Sonnenschein, und nach dem harten Winter folgt der milde Frühling. Niemals darf man den Mut verlieren,
immer ausharren, immer beten, immer arbeiten.
Schließlich spende ich allen meinen väterlichen und priesterlichen Segen und bitte Gott den Herrn,
alle Gnaden ihnen zuzuwenden, deren sie bedürfen.
Herzlich grüßend in der Liebe des Hl. Geistes
Ihr geistlicher Vater im Herrn
gez. A. Janssen

P.S. Da unsere Gesellschaft sich die Verehrung des Hl. Geistes als Ziel gesetzt hat, so sei und bleibe dieses ihr Ziel, und möge niemals davon abgewichen werden. So ist es mein Wille, den ich noch einmal hervorhebe; möge doch kein Mitbruder gefunden werden, der diesen nicht erfüllt. Es würde dieses zu großem Unsegen gereichen, was nimmermehr geschehen darf.
(Briefe nach Südamerika, Band IV, S. 459-460).

 

Ein sehr schönes Zeugnis für Arnold Janssens Sorge um die Einheit innerhalb seiner Gründungen gibt sein langjähriger Freund und Berater, der Lazarist P. Medits CM.
In seinem Beileidsschreiben zum Tode Arnold Janssens schrieb er an P. Blum:
Groß wie das Meer wird der Schmerz Ihres und all Ihrer Mitbrüder Herzens sein;
doch trösten Sie sich: der gute selige Generalsuperior ist Ihnen nicht genommen, er wird gewiss auch vom Jenseits herüber für das Wohl und Aufblühen der Gesellschaft sorgen. Wenige kannten den seligen Generalsuperior so gut wie ich; wir waren ja wie Brüder zueinander; ich aber weiß es, dass jede Faser seines von einem lebendigen, kindlichen Glauben getragenen, seeleneifrigen Herzens der Gesellschaft ganz angehörte,
und dieses Band hat der Tod nicht zerrissen, - im Gegenteil es noch fester geknüpft.
Wie oft sprach er mir davon, wie sehr ihm das Wohl der Gesellschaft am Herzen liege.
Er sagte mir auch, so lange die Mitglieder seiner Gesellschaft drei Dinge  unentwegt beobachten: die tägliche Betrachtung, die gegenseitige, wahre brüderliche Liebe und die tägliche Verehrung des Hl. Geistes, wird es in der Gesellschaft weder an den nötigen Mitgliedern, noch an den erforderlichen materiellen Mitteln mangeln; denn, sagte er,
der Hl. Geist hat die Herzen der Menschen in Seiner Gewalt. Dieser göttliche Geist wird der Gesellschaft Mitglieder und Wohltäter zuführen und in der Betrachtung denjenigen Mitgliedern besondere Gnaden mitteilen, welche die wahre, brüderliche Liebe pflegen.

(Nuntius SVD, Nr. 12, Februar 1909, S.55).

 


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