MITGEFÜHL-MITLEIDEN

Arnold Janssen – ein Mann voller Mitleid mit den Kranken

Ein Schüler Arnold Janssens aus der Zeit, da Arnold dort Lehrer war, erzählt:
„Ich erinnere mich auch, wie man ihn im Krankenhaus erwartete, wenn er nach der heiligen Messe die heilige Kommunion überbrachte. Einmal, an einem kalten Wintermorgen, ging es von der Pfarrkirche aus durch verschiedene Straßen und dann durch eine kleine Gasse zu einem kleinen alten Häuschen. Dort, in einem sehr kleinen Raum, lag eine alte Person schwerkrank danieder. Nachdem er ihr die heilige Wegzehrung gereicht hatte,
betete Hochwürden Janssen so herzinnig, dass die Kranke ganz ruhig wurde;
man sah es ihrem Antlitz an. Das ist mir seit Jahrzehnten eine der herzlichsten Erinnerungen an den frommen Priester.“

(Bornemann, Erinnerungen an P. Arnold Janssen, Analecta SVD – 29, S. 34).

 

Dieses Mitleid mit den Kranken war Arnold Janssen so wichtig, dass er darüber auch in den Konstitutionen von 1891 sprach,
und zwar im ersten Teil, Kapitel VI, Regel 7.
„Denen, die Gott lieben, gereichen alle Dinge zum Besten.“ (Rom. 8,28).
Dies sollen die kranken Mitbrüder bedenken und durch Geduld und Vertrauen sich stärken,
wie der Psalmist, da er sprach: „Du bist meine Geduld, o Herr, Du meine Hoffnung von Jugend an.“ (Ps. 70,5).
Diejenigen aber welche die Stelle der Gesellschaft
für die Kranken vertreten, nämlich der Obere, der Krankenwärter und Köche,
sollen für den schwer erkrankten Bruder väterliche Sorge tragen.


In Statuten 4 und 5 lesen wir:
„Damit für Schwerkranke gut gesorgt werde,
muss sowohl der diensttuende Krankenbruder als auch der Koch recht mitleidig, und jeder in seinem Amte gut unterrichtet sein.
Für alles dieses zeige der Kranke sich dankbar und sei stets geduldig;
sollte er aber dennoch zuweilen hierin fehlen, so möge es ihm wegen der Krankheit vergeben werden.
Der diensttuende Krankenbruder aber sollte in dieser Tugend es niemals fehlen lassen.
Wenn einer recht krank ist, so möge er niemals zu lange allein gelassen werden,
damit er sich nicht verlassen fühle, sondern in allem soll gute Vorsorge für ihn getroffen werden.
Auch soll es nicht an guter Lesung fehlen, wenn dies dem Kranken gefällt.
Derselbe soll in seiner Nähe stets ein oder mehrere recht schöne Bilder haben,
deren Anblick ihn tröstet. Ferner soll für gute  Luft und Reinlichkeit im Krankenzimmer gesorgt werden.
Auch verschaffe man, wo möglich, dem Kranken Dinge, die ihm Freude machen, z.B. Blumen, jedoch nicht duftende, da duftende im allgemeinen schädlich wirken, und dergleichen. Endlich trage man Sorge, dass er nicht wund liege.

(Fontes Historici Societatis Verbi Divini, vol. 1, S. 248. 249).

 

In dem gleichen Geiste äußert sich Arnold Janssen in einem Brief vom 9. August 1904  an  Schw. Andrea, der Provinzoberin der Missionsschwestern in Argentinien:
„Ich freue mich mit Ihnen, dass die Schwestern in Diamante jetzt wenigstens das heiligste Sakrament im Hause haben dürfen.
Auch ich bin der Ansicht, in bezug auf Speise und Trank alle Schwestern gleich zu halten,
und nur denen etwas Besonderes zu geben, die dessen bedürfen. In letzterer Beziehung empfehle ich Ihnen besonders die schwachen Schwestern. Möge doch für dieselben geschehen, was geschehen kann.

(Briefe nach Südamerika, Band III, S.367-368).

 

In Steyl selber zeigte Arnold Janssen sein Mitleid mit den Kranken bei den Krankenbesuchen. Br. Agnus erinnert sich:
„Rührend waren seine Besuche abends. Er ging von Bett zu Bett, beugte sich über die Kranken,
erkundigte sich teilnehmend nach dem Befinden, betete Glaube, Hoffnung,
Liebe vor und Seele Christi heilige mich, reichte ihnen Weihwasser und gab ihnen den Segen.
Die Einfalt und Frömmigkeit, womit er dieses tat, hat mich immer sehr erbaut.

(Bornemann, Erinnerungen an P. Arnold Janssen, S. 247).

 

Am 25. August 1904 schreibt Arnold Janssen an P. Fey, der zwar körperlich von einem
Unfall im Februar genesen war, aber noch seelisch niedergeschlagen war:
„Es freut mich, dass Gott der Herr, der da schlägt, auch Ihre Wunden wieder gesalbt hat,
und dass Sie wieder hinauseilen konnten, um den verlassenen Schäflein zu Hilfe zu kommen.
Sehen Sie, guter Herr Fey, so macht es der liebe Gott mit Ihnen.
Wenn Sie auch die Eifel verließen, wird dort noch jede Seele versorgt.
Anders aber ist es in Australien, wo Sie jetzt sind und als guter Vater jetzt bei
so manchen die Tröstungen der Religion bringen, welche sonst den Priester entbehren müssten.

(Briefe nach Neuguinea und Australien, S. 235-236).

 

Am 21. August 1907 schrieb Arnold Janssen an P. Vilstermann u.a.:
„Dem guten kranken Pater Röser haben Sie eine ausgezeichnete Wohltat erwiesen.
Aus seinen Briefen ersah ich, dass der gute Mann doch wirklich bei seinen vielen Kopfschmerzen nicht imstande war,
die anstrengenden Arbeiten der Prokur gut  zu verrichten. Bitte grüßen Sie den guten Konfrater, machen Sie ihm Mut
und suchen Sie seine Leiden, soviel Sie können, zu erleichtern.

(Briefe nach China, Band III, S. 221).

 

In China war Schwester Prisca gestorben, andere Schwestern waren an Typhus erkrankt.
Am 17. September 1907 schrieb Arnold Janssen an die Oberin Schw. Dolorosa,
die selbst bald darauf starb:
„Zum Verluste der Schwester Prisca kondoliere ich herzlich. S. Alberta wünsche ich Glück zu ihrer Genesung. Bitte wollen Sie gut für die Gesundheit der Schwestern sorgen. Es dürfen denselben  nicht mehr Arbeiten auferlegt werden, als es ihre Gesundheit erlaubt.
Als ich von der Eröffnung des Krankenhauses hörte, dachte ich: wenn die armen Kinder
jetzt nur nicht zu sehr angestrengt werden, so dass sie der Arbeit erliegen.
Seien Sie also nicht nur eine eifrige, sondern auch eine weise Mutter!“

(Briefe nach China, Band III, S. 231).

 

Arnold Janssen – voll von Mitleid mit denen,
die Schwierigkeiten beim Erlernen einer fremden Sprache hatten

Am 5. November 1904 schrieb Arnold Janssen dem P. Kaufhold in Chile:
„Ich kann mir denken, dass Sie in bezug auf die Sprachen Schwierigkeiten haben.
Trotzdem hoffe ich, dass Sie sich herausreißen werden. ...

Mit dem guten P. Söger habe ich herzliches Mitleid, weil er soviel krank ist und das Spanische ihm so schwer fällt.
Ich habe aber Hoffnung, denn ich habe zu oft gehört, dass bei fremden Sprachen die ersten Monate besonders schwierig sind,
bis das Ohr sich an die fremden Klänge gewöhnt habe. Bitte wollen Sie ihm wie auch
P. Rademacher, den ich ebenfalls freundlichst grüßen lasse, möglichst Mut machen
und zu Hilfe kommen. Für P.S. ist es eine, wenn auch schwere, aber immer nützliche
Übung in der heiligen Demut. Ich denke aber, dass Gott der Herr ihm zur rechten Zeit
zu Hilfe kommen wird.
(Briefe nach Südamerika, Band III, S. 391).

 

Arnold Janssen – ein Mann mit einem Herzen für die Armen

Aus seiner Zeit als Priester – Lehrer in Bocholt wird berichtetet, dass er beim Frühstück ein- oder zweimal in der Woche die zwei Brötchen und die Butter, die für ihn gedacht waren, in die Tischschublade tat. An diesen Tagen kam eine alte arme Frau, der er es schenkte. (Bornemann, Erinnerungen an P. Arnold Janssen, S. 38).

Die Küche in Steyl wurde von 1877 bis 1888 von den Vorsehungsschwestern aus Münster geleitet. Eine dieser Küchenschwestern, Schw. Gudula, berichtet:
Obwohl selbst sehr arm, hätten sie zunächst auch für die französischen Kapuziner kochen müssen,
die in einem benachbarten Hause wohnten (das später von der SVD gekauft wurde).
Ich sagte also einmal zum Herrn Rektor [Janssen]: ‚Wo soll das alles herkommen?“
Als er merkte, dass es mir ernst war, sagte er:
‚Von jetzt an kochen wir außerdem jeden Mittag noch für 50 Arme aus Tegelen Suppe, Fleisch und Gemüse.’
Ich meinte, wir gingen bankrott. Wir gingen nicht bankrott. Wir hatten täglich genug für 100 Arme.

(Bornemann, Erinnerungen an P. Arnold Janssen, S. 100)

 

Br. Ludgerus erzählt:
„In Steyl hat er den Bruder Christopherus [den Koch – JO] oft mit Fleisch und allerhand Sachen zu armen Leuten im Ort geschickt.
Als ich in Heiligkreuz und Rom war, hat er mir die Armen oft ans Herz gelegt. In Rom bekamen nach seiner Anordnung
zwei arme Frauen wöchentlich mehrere Male einen Laib Brot, und das geschah jahrelang. Außerdem kamen noch täglich Arme an die Pforte.

(Bornemann, Erinnerungen an P. Arnold Janssen, S. 178)

Der Chinamissionar und dann Gründer der SVD Japanmission P. Johann Weig erinnert sich: „Als das Theologiestudium noch in Steyl war, führte P. Arnold die Besuche der verschämten Armen ein, wie sie in den Vinzenzvereinen praktiziert wird. Die Philosophie- und Theologiestudenten wurden damit betraut. Steyl war in jenen Tagen nicht das schöne wohlhabende Dorf von heute. Am Rande der Steyler Sanddünen standen ringsum bis nach Tegelen hinein sehr armselige Dachpfannenfabriken, von denen ja schon Tegelen seinen alten lateinischen Namen erhalten hat (Tegulae). Ein nicht geringer Teil der Einwohner lebte vom kargen Lohn der Dachziegelbrennereien. Der Platz am Eingangstor des Missionshauses war jeden Mittag voll besetzt von Armen, denen der Pfortenbruder ein gutes Essen reichte. Wir aber gingen in die Wohnungen der Armen.
(Bornemann, Erinnerungen an P. Arnold Janssen, S. 131).

 

„Der Stifter“, so erzählt P. Peil, der erste SVD Obere in den USA, „ließ sich dabei auch von dem Gedanken leiten,
dass die Unsrigen in den Missionen es vielfach mit den Armen zu tun haben.
Der junge Missionar muss deshalb wenigstens einige Kenntnisse von der Not der ärmsten Volksklasse haben. So führte der Stifter regelmäßige Konferenzen für Hausarme ein. Alle verschämten Armen in Steyl und Umgegend wurden ausgeforscht und darüber eine Liste aufgestellt. Die Theologiestudenten vor der Priesterweihe gingen in ihrer freien Zeit paarweise aus, wie der Heiland es bei der Aussendung der Jünger gemacht hatte.
Größere Spenden, namentlich Bettzeug und Kleider und Geld mussten sie vom Prokurator oder andern zuständigen Offizialen erbitten. In besonders wichtigen Fällen durfte auch
der selige Stifter selbst angesprochen werden. Aber die Theologen sollten auch außerhalb
des Hauses Wohltäter ausfindig machen; über die Spenden konnten sie dann für die Armen frei verfügen. Monatlich wurde eine Konferenz abgehalten, woran sich alle diese „Armenpfleger“ beteiligen mussten. Der Stifter führte, wenn eben tunlich, den Vorsitz.
Alle mussten über ihre Tätigkeit berichten, über Erfolg und Misserfolg und über andere Erfahrungen, über neue Wege und neue Mittel.
Dabei wusste P. Arnold  immer wider auf den Zweck dieser Art von Liebestätigkeit hinzuweisen: Not und Elend sehen lernen; durch Hilfe Zugang zu wildfremden Menschen finden; außenstehende Laien für diese Art der Arbeit gewinnen usw.

(Bornemann, Erinnerungen an P. Arnold Janssen, S. 131-132)


Ein Schüler, der vor seinem Eintritt in Steyl Maurer gewesen war, erhielt von Arnold Janssen den Auftrag,
„für eine arme Steyler Familie umsonst ein Häuschen zu bauen.
(Bornemann, Erinnerungen an P. Arnold Janssen, S. 132).


Arnold Janssen – sein Herz voller Mitleid ließ ihn sich einfühlen
in die Situation der aus den verschiedensten Gründen Leidenden

Am 28. Juli 1903 schrieb Arnold Janssen dem P. Limbrock u. a.:
„Erlauben Sie, dass ich über die Unannehmlichkeiten, welche Sie im letzten halben Jahre gehabt haben,
ein vertrauliches und väterliches Schreiben an Sie richte.
Ich habe den Brief gelesen, den P. ... an Sie geschrieben hat, und ich sage herzliches Beileid zu den harten Worten,
zu welchen derselbe sich hat hinreißen lassen, und beglückwünsche Sie zu den  einfachen und schlichten Worten ohne jegliche Bitterkeit,
mit welchen Sie Ihre Antwort auf den Brief geschrieben haben.
Derselbe hat ihn dann an mich gesandt. ...

Auch P. ... hat sich verfehlt...“.

Für Sie selbst aber wird es eine Veranlassung sein, sich der größten Freundlichkeit gegen
die beiden schwachen Mitbrüder zu befleißigen und sie auf diese Weise wieder zu gewinnen. Ich will Ihnen darin zu helfen suchen und Ihnen fest versichern, dass ich aus Ihren Briefen entnehme, wie Sie voll der besten Gesinnungen gegen dieselben sind und es in Zukunft sicher besser gehen wird, sobald sie ihren Fehler erkannt haben. ....
Ein Oberer muss viel Geduld haben, viel schweigend zu ertragen wissen und für jedes Wort die rechte Zeit abwarten.
Außerdem muss er Vertrauen haben....
Darum also Mut und Vertrauen. Auch muss ein Oberer denken, wenn er Schwierigkeiten hat, dass er selbst nicht so ist, wie er sein soll. ....
Wollen Sie also, lieber hochwürdige Mitbruder, überlegen, ob Sie sich durch den Ernst Ihres Charakters nicht haben verleiten lassen, die  Tropfen der Freundlichkeit und Liebe etwas weniger reichlich auszuspenden, als wohl gut wäre. Erkennen Sie dieses, so wenden Sie sich an die Gnade des Hl. Geistes und die Liebe des heiligsten Herzens Jesu, um von ihnen das zu erflehen, was Ihnen noch fehlt.
Sehen Sie ein, dass Ihnen noch etwas fehlt, so erkennen Sie das offen an und bitten Ihre Untergebenen, die Gabe einer herzlichen Liebe Ihnen von Gott zu erflehen. Ich habe solches schon öfters getan, und es hat mir noch nie geschadet.

(Briefe nach Neuguinea und Australien, S. 148-151).


Einem dieser beiden jungen Patres, der ihn in seine Korrespondenz mit dem Oberen eingeweiht hatte,  schrieb Arnold Janssen  am 30. Juli 1903:
„Es ist gut, wenn das, was das Gemüt eines Sohnes gewaltig bewegt, zur Kenntnis des Vaters kommt. ....
Aus dem Inhalt des Briefes selbst habe ich gesehen, dass Ihr Gemüt krank und verwundet ist.
Ich habe deshalb herzliches Mitleid mit Ihnen und bitte Gott den Herrn, dass Er mit Seiner göttlichen Salbe die Wunden Ihrer Seele heilen wolle.
Zugleich aber bitte ich auch Sie selbst, dass Sie zu Ihrer eigenen Heilung mithelfen wollen. Wer verwundet ist, muss erdulden, dass man die Wunde wasche und reinige und dann ein gutes Pflaster auflege. Die Reinigung unserer Wunden besteht darin, dass wir unsere Fehler erkennen, die Annahme des Pflasters aber besteht in der Annahme der guten Lehren, die man uns gibt“.

(Briefe nach Neuguinea und Australien, S. 154).

 

An P. Degenhardt, dem Oberen in La Serena / Chile schrieb Arnold Janssen:
„Alles in allem betrachtet, ist also auch Ihre Stellung dort nicht rosig.
Jedoch wollen Sie deshalb nicht verzweifeln, sondern um so fester auf Gott vertrauen.
Er kann Ihnen immerhin auf andere Weise helfen und Ihnen später auch einen anderen Bischof schicken, wenn Sie mit dem jetzigen nicht gut auskommen.“

(Briefe nach Südamerika, Band IV, S. 324)


Im Mai 1907 verlangte Kardinal Gotti, der Präfekt der Propaganda, auf Druck der deutschen Regierung, den Apostolischen Präfekten von Togo, P. Bücking abzuberufen. Das traf Arnold Janssen sehr; an die Generalräte schrieb er am 27. Mai 1907:
„Was wir gefürchtet, ist geschehen. Ich muss P. Bücking einladen, sein Amt niederzulegen und ebenso P. Müller und P. Witte abberufen. Wie traurig diese Nachricht mich berührt hat, können Sie sich denken. P. Bücking hat die Mission in Blüte gebracht und nun soll er fort,
und ebenso zwei tüchtige Mitarbeiter.
Die deutschen Beamten triumphieren.... Es wundert mich, dass Se. Eminenz so vorgegangen ist, ohne mich vorher  zu fragen. Ich vermute, dass er unter einem Zwange sich befunden hat, sei es, dass der Gesandte sich direkt an ihn gewandt oder dass er sich an den Vatikan wandte und
von dort aus der Auftrag erging. .....
Ich selbst spreche den lieben Mitbrüdern mein herzlichstes Beileid aus zu dem Schlage,
der sie getroffen und ersuche sie freundlichst, sich nicht zu sehr zu betrüben, sondern ihre Augen auf Gott den Herrn zu richten, der dieses gesandt hat. Wunderbar sind die göttlichen Wege, und nicht jeder Triumph bleibt ein Triumph, sondern hat manchmal einen ganz anderen Ausgang.
Doch wollen wir das Gott anheimstellen.

(in Müller, Geschichte der katholischen Kirche in Togo, S. 178)

 

Am 29. November 1907 schreibt Arnold Janssen dem P. Albers in Argentinien:
„Ich erhielt gestern Ihr wertes Schreiben, und ich danke Ihnen, dass Sie mir alle Leiden und Beschwerden Ihres gegenwärtiges Zustandes mitteilten. ...
Sie klagen, dass Sie von andern nicht mit dem Respekt behandelt werden, wie Sie es zu verdienen glauben. Ich sage Ihnen herzliches Beileid,
dass Ihnen solches widerfährt. Indessen werden Sie dadurch nicht verdrießlich, ich habe die Erfahrung gemacht, dass solches oft geschieht,
und zwar Männern gegenüber, die ich selbst auf das höchste achte. ...
Sehen Sie also, wenn Ihnen das auch widerfährt, so wollen Sie sich nicht sehr betrüben und darüber unwillig werden. Im Gegenteil, je nachdem Sie die Unbilden geduldig ertragen, desto mehr erlangen Sie das Wohlgefallen Gottes und der Menschen.“

(Briefe nach Südamerika, Band IV, S. 348)

 

Aus Chile hatte P. Söger an Arnold Janssen geschrieben, er solle ihn von dort abberufen oder er werde aus der Gesellschaft austreten.
In einem Brief vom 1. Februar 1908 suchte er den Pater zu überreden in Chile in der Gesellschaft zu bleiben. Er beschließt den Brief mit den Worten:
„Denken Sie doch an das alte Wort: Nichts kommt von ungefähr, alles kommt von oben her. Es hat allerdings in diesen Jahren tüchtig bei Ihnen gegoren. Aber ich hoffe, dass am Ende doch der klare Wein herauskommt und Sie erkennen: Das war gut für mich, um mich demütiger, gediegener zu machen, dass Gott der Herr Seinen starken Arm auf mich legte und mich zappeln ließ. Er bleibt bei all diesem der gütige Vater, der es gut mit Seinen Kindern meint< ...Ich denke, der liebe Gott behält Ihnen noch Gediegenes vor,  wo Sie auch anderen werden predigen müssen, wie ich es jetzt mit Ihnen tue.
Und da ist es gut, wenn Sie selbst etwas gelernt haben. Ich bitte Sie, werfen Sie diesen Brief nicht missmutig in die Ecke, sondern lesen Sie ihn zu verschiedenen Zeiten, also mehr als einmal und erwägen Sie vor Gott seinen Inhalt und beten Sie zu Ihm, indem Sie sprechen: Nun Herr, ich will mich unterwerfen, wenn Dur mir hilfst und machst, dass ich von jetzt auch etwas besser mit dem Spanischen fertig werde.
Mit vielen herzlichen Grüßen in der Liebe des Heiligen Geistes Ihr geistlicher Vater im Herrn A. Janssen

(Briefe nach Südamerika, Band IV, S. 367-369).

 

Von Bischofshofen schrieb er am 1. August 1908 an Bruder Baldomer in Neuguinea:
„Ich danke für Ihr Schreiben von 19.3., das ich mit großem Interesse gelesen habe.
Sie haben mir auf 18 großen Seiten beschrieben, was für das Sägewerk und seine Aufrichtung in St. Michael geschehen ist.
Mit großer Teilnahme las ich, welche Schwierigkeiten zu überwinden waren, wie armselig der Anfang daselbst war. Es wird eine angenehme Erinnerung für Sie sein, mit hochwürdigsten P. Präfekt, sowie den Brüdern Sylvester und Eustochius das zweite Haus daselbst bewohnt, die vorbereitenden Arbeiten für das Sägewerk verrichtet, dasselbe dorthin gebracht, aufgestellt und in Gang gesetzt haben.

 

Arnold Janssens Mitleid  - Mitleid in der Gestalt der Ermahnung

So schrieb er am 5. Oktober 1905 dem kranken Provinzial in Brasilien, P. Schmid u. a.:
„Einer der dortigen Patres schrieb mir, dass Sie Ihre Gesundheit zu wenig in acht nähmen und die Sorge für dieselbe immer von Tag zu Tag aufschöben. Ich erinnere mich nicht mehr, ob ich Sie deshalb bereits ermahnt habe. Jedenfalls muss ich es dann jetzt tun und sogar eine ernste Zurechtweisung beifügen, vorausgesetzt, dass die an mich gelangte Mitteilung hinreichend genau war. Denn nach meinem Dafürhalten ist das sehr verfehlt und eine leichtsinnige Handlungsweise von einem Diener Gottes, der vielmehr suchen muss, seine Kräfte im Dienste des Allerhöchsten zu erhalten. ...
Darf er etwa darauf hoffen, dass Gott der Herr durch ein Wunder seine Kräfte erhalten und ihm beistehen wolle? Nimmermehr.
Das wäre ein vermessenes Vertrauen. Also sei er bescheiden und erinnere er sich, dass er nicht unermessliche Lebenskraft zur Verfügung hat,
sondern eine höchst begrenzte, die er suchen soll zu erhalten. ....
Nach der erhaltenen Mitteilung sollen Sie die Schwindsucht haben, worauf allerdings der Husten und Auswurf hinzuweisen scheint.
In diesem Falle, ist es sehr nötig, dass Sie sich recht gut nähren; ich denke, besser als die dortigen Patres es tun. Ich will Sie deshalb verpflichten, diesen Brief Ihrem Assistenten zu zeigen unter dessen Gehorsam ich  Sie stelle, und den ich zugleich beauftrage,
die nötigen Anordnungen in dieser Beziehung zu erlassen.
Ferner ist es für Lungenleidende die beste Kur, sich täglich morgens und nachmittags in einen langen Klappstuhl oder Lehnsessel niederzulegen, und zwar ausgesetzt der frischen Luft und womöglich dem Sonnenschein. Wollen Sie bitte auch daran denken.
Bitte also, dass Sie in den genannten Beziehungen eine ordentliche Kur mitmachen, welche wenigstens 2-3 Monate beträgt, und so lange dauert, bis einige Zeit nachher, nachdem bereits der Husten und Auswurf verschwunden sind.“

(Briefe nach Südamerika, Band IV, S. 128-129)


An Schw. Andrea, Provinzoberin der Missionsschwestern in Argentinien schrieb Arnold Janssen am 7. September 1907:
„Ich bitte die Schwestern, die kranken Schwestern Annuntiata, Bernarda und Crucifixa freundlichst zu grüßen.
Ich bitte Gott, dass Er sie gesunden lasse. Mögen sie auch selbst dazu mithelfen.

(Briefe nach Südamerika, Band IV, 321).

 

Arnold Janssen – ein Mensch voller Mitleid mit den armen Seelen

Im ersten Kapitel des ersten Teiles der Konstitutionen von 1891 heißt Regel 9:
„Über das Mitleid mit den armen Seelen.“
Die Constitution lautet:
Besondere Liebe schulden wir den armen Seelen im Fegfeuer. Bitten wir den Hl. Geist, dass Er wegen der Verdienste des Leidens Jesu die Seelen der Abgestorbenen zur ewigen Seligkeit führe. Opfern wir Ihm unsere Ablässe und andere fromme Genugtuungswerke dafür auf.“ (Fontes Historici Societatis Verbi Divini, vol. 1, S. 202).

 

Im Nuntius Societatis Verbi Divini, Nr. 5, April 1901, heißt es unter Nr. 4.
„Einige Winke, betreffend unsere Gebete und Andachten“:
„Was die Hilfeleistung für die armen Seelen des Fegefeuers angeht, so wünsche ich, dass sowohl die Angehörigen und Zöglinge der Gesellschaft als auch andere Gläubigen dazu angeleitet werden und zwar besonders wenigstens in der ersten Hälfte des November, d.h. am 2. Nov. und den acht bis vierzehn Tagen, welche auf diesen von der Kirche festgesetzten Tag der Fürbitte für die armen Seelen folgen. Vielleicht ist an vielen dieser Tage oder des ganzen Monats November eine kurze Abendandacht für die Armen Seelen möglich, wo passende Gebete für dieselben gesprochen werden.
In Bezug auf letztere empfehle ich die Gebetstafel für die armen Seelen...
Dieselbe enthält recht nutzreiche und aneifernde Gebete für die armen Seelen und in den eingeschobenen kurzen Antworten reiche Ablässe zum Nutzen derselben. Andererseits ist sie zugleich eine eindringliche Mahnung für die Lebenden, an den Ernst des Lebens zu denken und die von Gott uns gegebene Zeit recht gut zu benutzen. ...
Im übrigen mögen wir fleißig bedenken, wie nützlich die Andacht zu den armen Seelen ist. Welch ein heiliges Liebeswerk ist sie für die Verstorbenen und welch eine heilsame Predigt für die Lebenden. Deshalb bitte ich alle Mitglieder der Gesellschaft, diese nach Kräften befördern zu wollen. Helfen wir den armen Seelen in ihren großen Leiden, und zum Entgelte dafür empfehlen wir den erlösten Seelen das Gebet für die Rettung der Lebenden und um den Segen Gottes für jene Arbeiten, die uns besonders aufgetragen sind.
“ (S. 20).

 

Am 5. November 1905 sagte er den Klausurschwestern:
„Welch ein Trost ist es, wenn man vor den Toren der Ewigkeit steht, sich sagen zu können, du hast fleißig für die armen Seelen gesorgt und kannst also auf ihre Hilfe rechnen. Setzen wir den Fall: Drei Stunden von hier wäre ein Kranker und jemand von uns hätte die Macht, Wunder zu wirken. Wäre er nicht unbarmherzig, ihn nicht von seinen Schmerzen zu befreien? Nun vergleichen wir das mit dem in Betracht kommenden Gegenstande.
Welche Schmerzen aber sind größer, die Schmerzen seiner Krankheit oder die Schmerzen des Fegfeuers?! – Der hl. Augustinus sagt, es wären die Schmerzen des Fegfeuers größer als alle Peinen, die jemand hier auf Erden leiden oder sich auch nur vorstellen könnte. ...
Man kann nicht zweifeln, dass diese Ansicht auf Wahrheit beruht....
Und ferner fragen wir uns: Was ist ein größeres Gut, die Erlangung der Gesundheit oder die Befreiung von den Peinen des Fegfeuers und die Erlangung der Anschauung Gottes? Und wie werden uns die armen Seelen für ihre Befreiung dankbar sein.“

(Chronik des Mutterhauses der Klausurschwestern Steyl I, S. 119)

 

Arnold Janssen – Josef Freinademetz: das Ende ihrer Korrespondenz

Arnold Janssen und Josef Freinademetz schrieben sich zum letzten Mal fast am gleichen Tag: ersterer am 26. Dezember 1907 und letzterer am 27. Dezember 1907.
Josef Freinademetz’s Brief an Arnold Janssen war eine Hiobsbotschaft:
„Der Telegraph hat Ihnen längst die Hiobspost gemeldet: Soeben, 5.00 Uhr abends, ist die gute Vorsteherin, Schw. Dolorosa, selig im Herrn verschieden. R.I.P. Sie starb wieder an Typhus und wohl auch an den Folgen einer in Europa vorgenommen Operation, was bis heute wohl niemand gewusst,
da die gute Schwester nichts davon mitgeteilt.
Ein furchtbarer Schlag für die guten Schwestern und für deren Anstalt hier in Yenchowfu. Sie war eine Vorsteherin, wie man sie nicht so leicht finden wird, durch und durch Religiöse, ganz und gar für die hl. Regel, sehr energisch und dabei doch recht mütterlich entgegenkommend, freundlich und liebenswürdig. Der liebe Gott hat sie  uns genommen und wir müssen und wollen den harten Schlag ergeben in Gottes hl. Willen mutig ertragen! ...
Schw. Vorsteherin ist eines schönen Todes gestorben; 3 Stunden vor ihrem Ende durfte sie noch kommunizieren und starb im Beisein des Priesters, was sie so sehr gewünscht. Indem ich Ew. Hochwürden in Eile die traurige Nachricht vermittle, empfehle ich unsere guten 3 verstorbenen Schwestern recht inständig Ihrem freundlichen Gebete und um Ihren väterlichen Segen flehend, bin ich in kindlicher Verehrung Ew. Hochwürden unwürdiger Sohn J. Freinademetz

(Richard Hartwich, P. Arnold Janssen und P. Josef Freinademetz,
Briefwechsel 1904-1907, Analecta SVD -44, S. 226-227).


Arnold Janssen hatte das Telegramm mit der Hiobsbotschaft vom Tode der Schw. Dolorosa in der Tat schon erhalten.
So schrieb er am 26. Dezember 1907 an P. Freinademetz Worte, die aus seinem von Mitleid erfüllten Herzen kamen:

„Mein lieber P. Superior...
Ich kondoliere herzlich zu dem 26.9. so unversehens gestorbenen Br. Florentius, und jetzt zum Tode der Sr. Dolorosa, ebenso zu den Schwestern Prisca und Liboria, die Sie durch den Tod verloren. Außerdem verloren Sie 26.6. den guten P. Dünker, also vier Verluste in der Zeit eines halben Jahres. ....
Hoffentlich geht es P. Spoden und P. Grendel, denen ich meinen priesterlichen und väterlichen Segen sende, gegenwärtig besser....
Ich kondoliere herzlichst, dass Sie bei Ichowfu mit dem Wagen in einen Fluß fielen. Gott sei gelobt und gepriesen,
dass dieses keine schlimmen Folgen hatte.“
„Da der liebe Gott Freude und Leid vermischt, so denke ich, wird jetzt umso mehr Segen kommen.“
„Herzlich grüßend in aller Liebe Ihr geistlicher Vater im Herrn, A. Janssen

(Briefe nach China, Band III, S. 244.245.247).

P. Freinademetz erhielt diesen Brief nicht mehr.
Als der Brief in China ankam, war er selber schon als ein weiteres,
das nach Sr. Dolorosa nächste Opfer des Typhus gestorben.

 

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