hl. Arnold Janssen:
Entscheidungen treffen
Als P. Grüter um Schwestern für eine Mädchenschule in Diamante /Argentinien bittet
und einen möglichen Platz nennt, stellt Arnold Janssen am 15. Februar 1899
in einem Brief an P. Superior Colling die folgenden Fragen:
„Liegt der Platz günstig für Diamante zur Errichtung von Volksschulen für Mädchen? Werden sie ein Gärtchen haben können? Oder, wenn das nicht: Kann in der Nähe der Stadt ein Pensionat oder Noviziat gegründet werden? Ist die Lage dort wirklich so ausgezeichnet? Oder wird man nicht besser tun, dafür Crespo in Aussicht zu nehmen,
wo wir ja einen sehr großen Landbesitz haben und das so nahe der Eisenbahn?
Oder sollen wir anfangen, auf Rosario, Buenos Aires oder Cordoba zu denken?
Wo sind Hoffnungen, später etwas Ordentliches wirken zu können?
Wohin weist uns die göttliche Vorsehung?“
(Briefe nach Südamerika, Band I, S. 282-283).
Am 1. Dezember 1902 schrieb Arnold Janssen an P. Provinzial Colling in Argentinien:
„Als ich Situationsplan und Karte [des angebotenen Landes] angesehen habe,
ist mir folgender Gedanke gekommen: Bereitet uns Gott der Herr hier vielleicht etwas, was auf die Dauer, wenn vielleicht die Bedingungen in Bezug auf die Kolportage in Deutschland ungünstiger geworden sind, unsere Missionen und großen Häuser mit so vielen Zöglingen dennoch über Wasser zu halten vermögen, wie Kardinal Lavigerie und seine Nachfolger solches getan haben und tun durch die Weinberganlagen, die sie im Algerischen gemacht haben? So mein erster Gedanke.“
(Briefe nach Südamerika, Band II, S. 444).
In einem weiteren Brief an P. Bodems vom 4. März 1903
erklärt Arnold Janssen wie er die Erstbestimmungen der Neupriester vornimmt.
„Bei der Auswahl der Neopresbyter suche ich zu erkennen, welche von den Betreffenden von Gott dem Herrn in die Mission gerufen werden und welche nicht. Es wird ja freilich öfter der Fall sein, dass ich mich bei der Beurteilung irre. Ich kann aber versichern,
dass ich alles mögliche aufbiete, um mich nicht zu irren, deshalb sehr viel nachdenke,
viel Material sammle und auch andere um ihre Meinung frage. So suche ich den hl. Willen Gottes zu erkennen und auszuführen, indem ich dabei Seine größere Ehre und das Wohl der Missionen und der ganzen Gesellschaft im Auge habe.“
(Briefe nach Südamerika, Band III, S. 93).
Am 23. Juni 1904 schreibt Arnold Janssen an den Superior in Argentinien, P. Colling. Verlangt Gott der Herr irgendeine Arbeit von uns,
so weiß er das schon lange vorher und sorgt auch, dass die geeigneten Leute uns zur Verfügung stehen. Erkennt man dieses, so ist das ein gutes Zeichen.
Denn ein guter Oberer muss stets fragen: „Ist es der hl. Wille Gottes, dass wir diese bestimmte Arbeit übernehmen?“ Dieser hl. Wille Gottes lässt sich aber im allgemeinen nur aus den Umständen erkennen, wie z.B. daraus, ob passende Kräfte sich finden.
(Briefe nach Südamerika, Band III, S. 351)
Am 27. Dezember 1905 schreibt Arnold Janssen an P. Superior Peil in den USA:
Bitte, denken Sie überhaupt öfter an das Beispiel des hl. Vinzentius.
Diesem hl. Manne warf man oft vor, dass er viel zu langsam vorgehe
und zu bedächtig sei. Er tat das aber aus guten Gründen, um erst nach erkanntem göttlichen Willen zu handeln, und es hat ihn nicht gehindert, auf dem Gebiete der christlichen Nächstenliebe mehr zu leisten, als irgend jemand vor und nach ihm.
Fragen Sie sich öfters mit diesem großen Heiligen: Was ist der hl. Wille Gottes?
Derselbe will aber nicht, dass Sie irgend etwas übernehmen,
wozu Sie die rechten Kräfte noch nicht haben. Fehlen also diese, so ist das stets ein Beweis, dass Gott das Unternehmen noch nicht von Ihnen will.
Auch wollen wir nicht fehlen durch Mangel an Vertrauen
auf die göttliche Vorsehung und Leitung.
Wenn irgend etwas von besonderem Segen sein soll,
so muss es vom hl. Willen Gottes kommen.
(Briefe in die Vereinigten Staaten von Amerika, S. 293-294).
Aus Neuguinea schrieb ein Pater an Arnold Janssen,
dass er sich mit dem Gedanken trage, zu den Benediktinern überzuwechseln.
In einem Brief vom 1. August 1908 schrieb ihm Arnold diesem Mitbruder u. a.:
„Ich habe mich gefragt, ob hier ein Finger Gottes vorliege oder nicht.
Will derselbe Sie als Benediktiner haben, so ist es wahrscheinlich,
dass Sie nicht so froh und ohne irgendein Widerstreben der Berufung [zum Steyler Missionar – JO] gefolgt wären; da Sie ja auf diese Weise Gefahr liefen, ihrem wahren Berufe entfremdet zu werden. Es spricht also die Vermutung dafür, dass Ihr hl. Engel die Benediktinergedanken in diesem Augenblick wieder in größerer Stärke in Ihrem Geiste hervorgerufen hätte, wenn Sie wirklich für die Benediktiner bestimmt wären.
Sie schreiben nun, dass die Benediktinergedanken neuerdings wieder aufgetreten,
„und dieses in einer Wucht und Zähigkeit, dass ich bereits allen Ernstes an mich die Frage stellte, ob hier bloße Versuchung vorläge oder ein Rufen von oben. ...“
Wucht ist etwas, was nur selten im Wirken der göttlichen Gnade sich zeigt;
dieselbe pflegt vielmehr mit einer gewissen Ruhe auf den Menschen einzuwirken, während der böse Geist mit einem gewissen Drang und einer großen Überredungsgabe sich dem Menschen zu nähern pflegt. Darum wird es gut sein, diesen Gedanken mit einem gewissen Misstrauen entgegenzutreten und den Hl. Geist oft und oft zu bitten,
Er möge die Nebel zerstreuen und Ihnen die rechte Einsicht und Erkenntnis verleihen. ..
Dies über die vorgebrachten Zweifel. Wollen Sie im übrigen sich durch diese Gedanken nicht zu sehr beunruhigen lassen. Vorläufig brauchen Sie durchaus nicht auf dieselben zu hören und können ruhig dieselben an sich vorübergehen lassen.
So wird Ihnen dann mit der Zeit wohl Gottes Wille deutlicher werden.“
(Briefe nach Neuguinea und Australien, S. 392-393).
Am 4. Oktober 1899 schreibt Arnold Janssen an P. Superior Colling in Argentinien:
„Der Generalrat hat geglaubt, das Anerbieten des Bischofs annehmen zu müssen.
Ich muss Sie deshalb beauftragen, ihm möglichst entgegenzukommen.
Argentinien, Brasilien und Chile sind die Hauptstaaten Südamerikas,
wohin Gott der Herr unsre Gesellschaft beruft,
an der geistigen Auferstehung Südamerikas mitzuarbeiten,
und wir werden so Arbeit und Verwendung bekommen für die großen Kurse
von 50 und mehr, welche jetzt schon im Noviziat und in der Philosophie sind. ...
Seien Sie überzeugt, dass für die Aufgaben, deren Lösung Gott von Ihnen verlangt, Sie auch die nötigen Leute von Gott erhalten haben. Manche, die für ein Amt ungenügend schienen, werden genügend, sobald die Notwendigkeit des Amtes an sie herantritt.“
(Briefe nach Südamerika, Band I, S. 343.345).
In einem Brief vom 11. Januar 1900 bespricht Arnold Janssen mit P. Tollinger,
dem Oberen in Brasilien, verschiedene Wirkungsorte für die SVD. U. a. schreibt er:
„Petropolis. Eine Stellung in Petropolis ist für uns allerdings wichtiger als in Nictheroy. Wenn man aber sieht, dass die göttliche Vorsehung dafür die Wege nicht bereitet,
so muss man folgsam sein.“
(Briefe nach Südamerika, Band II, S. 7).
Am 8. November 1897 schreibt Arnold Janssen seinen Weihnachtsbrief
an die Missionsschwestern in Argentinien:
Unterdessen haben nun auch schon andere Ihnen sich angeschlossen,
und Ihre Zahl wird mit der Zeit sich mehren. Im übrigen seien Sie um den Zuwachs nicht ängstlich bekümmert. In der Natur hat es Gott so eingerichtet,
dass die nützlichen Bäume, z.B. die Obstbäume, die ersten 7 Jahre nur verhältnismäßig wenig wachsen. Sie müssen zuerst ordentlich Wurzel fassen, und dann geht es später um so besser. In Steyl hat Gott der Herr auf dieselbe Weise mit uns verfahren sowohl im Missionshause als auch bei den Schwestern.
Es wird aber gut sein, wenn es in den Missionen ebenso geht.
So muss auch zuerst das Schulehalten tüchtig gelernt werden und ferner muss Leib und Geist sich an das fremde Klima und die fremden Menschen zuerst gewöhnen.
Darum nur mutig voran im Vertrauen auf den guten Gott
und mit Vermeidung aller Überstürzungen!
(Briefe nach Südamerika, Band I, S.228).
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