hl. Arnold Janssen:
LEITUNG
VERHÄLTNIS VORGESETZTE - MITBRÜDER/MITSCHWESTERN
Am 26. November 1888 schrieb Arnold Janssen an Bischof Anzer in China:
Ich weiß, wie sehr der böse Feind bemüht ist, das Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Untergebenen zu alterieren, und wie er da aus Dingen, die ein wahres Nichts sind,
Berge zu machen weiß. Aber wie das ändern? Dazu wird gehören von Euer Gnaden Seite
viel Demut, viel Geduld und Milde, Vermeidung von allem, was kränken kann, und dann, dass den Untergebenen Gelegenheit gegeben werde, sich offen darüber auszusprechen,
was sie auf dem Herzen haben. ... Und dann müssen Euer Gnaden sehr viel beten für diejenigen, die am meisten Ihnen abgeneigt sind. Denn nur der Heilige Geist,
nicht äußere Übungen allein können deren Herz ändern, und damit er es tue,
müssen Euer Gnaden dies mit viel Gebet, Sanftmut und Liebe erwirken.
Ich möchte bitten, dafür täglich ein ganz besonderes Memento bei der hl. Messe
und nach derselben zu machen, sowie einen täglichen Besuch beim hl. Sakrament,
wenn die Umstände dieses möglich machen. ... Ein Oberer muss große Geduld üben,
dann sieht er den Spruch bewahrheitet, dass aus Dornen Rosen werden.
Und wie sollten wir beide die niederen Oberen später in ihren Mühseligkeiten stärken
und trösten können, wenn wir selbst nichts erfahren hätten. Also Geduld und Demut,
das sind die beiden Schlüssel zum Herzen Gottes und zum Herzen der Menschen.
(Briefe nach China, Band I, S. 210-211. 213)
Dem ersten Oberen in Argentinien, P. Becher riet er am 18. Januar 1890:
„Suchen Sie Ihren Mitbruder ja recht für sich zu gewinnen! Ein Mittel dafür ist:
Suchen Sie seine Wünsche kennen zu lernen und erfüllen sie dieselben, wo und wie Sie können mit persönlichen Opfern Ihrerseits, insofern es Ihnen möglich scheint.
Haben Sie einmal sein Vertrauen gewonnen, so können Sie alles mit Ihm anfangen.“
(Briefe nach Südamerika, Band I, S. 3)
An Mutter Maria Helena Stollenwerk schrieb Arnold Janssen am 25. Oktober 1892:
“Befehlen Sie mit Vernunft und Liebe,
aber bestehen Sie darauf, dass die Befehle befolgt werden.“
(Stegmaier, Mutter Maria Helena Stollenwerk, Briefwechsel mit Arnold Janssen, S. 34-35).
Schw. Rosa war die erste in Argentinien geborene Steyler Missionsschwester und erste argentinische Vorsteherin eines Konventes dort.
Am 12. Oktober 1899 schrieb Arnold Janssen ihr:
„Geehrteste Schw. Rosa!
Sie sind jetzt Vorsteherin – ein schwerer Posten, zu dessen guter Verwaltung sehr viel Demut und Liebe und Kraft von oben nötig ist,
um die Herzen der Untergebenen zu gewinnen.
Hat man diese, so ist das Vorstehen viel, viel leichter. Aber um die Herzen anderer zu gewinnen, muss man viele Opfer bringen. Gott der Heilige Geist stärke Sie dazu!“
(Briefe nach Südamerika, Band I, S. 352)
Am 25. März 1900 schrief Arnold Janssen an P. Tollinger,
den Oberen der Steyler Missionare in Brasilien:
„...wenn Gott Sie zum Obern beruft, so prüft Er wohl; aber die Prüfung währt nicht ewig.
Gott sucht oft durch die Untergebenen die Vorgesetzten zu vervollkommnen.
Ist dies geschehen, so kommt nach dem Gewitter heiterer Himmel.“
(Briefe nach Südamerika, Band II, S. 56)
„Schwierigkeiten sind das alltägliche Brot aller Obern“,
so schreibt Arnold Janssen am 31. März 1900 an den Oberen der Steyler Missionare
und Missionarinnen in Argentinien, P. Colling; und er fährt fort:
„Benehmen Sie sich klug dabei, so wachsen aus den Dornen Rosen; denn ‚denen, die Gott lieben, gereichen alle Dinge zum besten!, wie Gottes Wort es sagt.“
Demselben P. Colling legt Arnold Janssen am 30. Juli 1900 ans Herz,
die niederen Oberen darüber zu belehren und ihnen mitzuteilen, mit welcher Klugheit
und Sanftmut sie das Amt des Vorstehens und Befehlens ausüben müssen.
Vorzüglich sollen sie harte und verletzende Worte beiseite lassen.
Ein Oberer muss wissen, manches mit Stillschweigen zu ertragen und zu warten,
bis die rechte Zeit zum Reden gekommen ist.“
(Briefe nach Südamerika, Band II, S. 82).
Ähnliches schrieb Arnold Janssen am 13. Dezember 1900 an P. Tollinger in Brasilien:
„Bitte merken Sie es sich doch. Um sein Amt als Superior gut zu verwalten, ist äußerste Klugheit nötig.
Namentlich darf man die Leute, deren Wohlwollen man nötig hat, nicht von sich stoßen.
Man muss da manchmal etwas sehen und, wenn es nicht zu arg ist, tun, als sähe man es nicht, hören und tun, als hörte man es nicht, und dann mit großer Geduld und Klugheit den rechten Augenblick abwarten, wo man über das Vorgekommene etwas sagen kann....“
(Briefe nach Südamerika, Band IV, S. 136).
Am 15. April 1901 schrieb er an P. Tollinger:
„Quoad confratres [Hinsichtlich der Mitbrüder]. ...Freundliches Gesicht zeigen – hier und da ein gütiges Wort des Lobes wirkt of Wunderdinge. Müssen Sie ermahnen, dann mit Liebe, heiterem Gesicht, und nicht vergessen, die bittere Pille zu verzuckern, ferner Dienste und Liebe leisten, wo Sie können, für sich das Saure und für sie das Süßeste wählen, alles das wirkt Wunderdinge. Sie müssen sich befähigen, ein guter Oberer zu werden, Gott verlangt das von Ihnen. Mit Seiner Gnade wird Ihnen das sicher auch gelingen.“
(Briefe nach Südamerika, Band II, S. 196).
In einem Brief vom 27. August 1901 an P. Tollinger heißt es dann:
„Der Obere muss zuerst lieben wie ein weiser Vater und eine gütige Mutter
und trachten, wiedergeliebt zu werden.
Bitte, nehmen Sie die Liebe zu den Untergebenen zu einem Hauptpunkte Ihres Examens partikulare und zeigen Sie das auch äußerlich. Ich habe dieses Jahr bei meiner Namenstagsfeier in St. Gabriel gesagt in meiner Rede: Wenn sie mir eine besondere Freude machen wollten, so möchten sie mir von Gott dem Hl. Geist, dem Vater der Liebe, und dem hl. Herzen Jesu die Gnade einer recht herzlichen Liebe zu allen meinen Untergebenen erflehen. Natürlich muss es eine gesunde Liebe sein nach dem Vorbilde Gottes, denn der Obere kann nicht alles gewähren und muss auch öfters ernst ermahnen und zurechtweisen.“
(Briefe nach Südamerika, Band II, S. 273).
In ähnlicher Weise wie an P. Tollinger schrieb Arnold Janssen auch an Schw. Leonarda,
die ersten Oberin der Missionsschwestern in den USA:
„Gegen die Schwestern seien Sie wie eine gute, besorgte Mutter und wie ein weiser Vater.
So gefallen Sie Gott dem Hl. Geist, dem Vater der ewigen Liebe,
dessen Verehrung Sie sorgfältig pflegen sollen.“
(Briefe in die Vereinigten Staaten von Amerika, S.139).
Am 23. April 1907 schreibt Arnold Janssen an P. Langenstein in Argentinien:
„Es gibt gewisse Naturen, welche geneigt sind, wenn sie als Vorsteher bei anderen Schwierigkeiten finden, sogleich die Flinte ins Korn zu werfen und zu sagen:
Wenn ihr mich nicht wollt, so mögen andere Vorsteher sein.
Das ist aber nicht das Rechte.“
(Briefe nach Südamerika, Band IV, S. 279).
Am 12. Januar 1903 schrieb er an P. Tollinger in Brasilien:
„Reguläre wollen einen Führer, der mutig und entschieden ist“.
(Briefe nach Südamerika, Band III, S. 44)
An P. Degenhardt in Argentinien schrieb Arnold Janssen am 12. März 1902:
„Erbitten Sie von der Liebe des Hl. Geistes und des heiligsten Herzens Jesu die Gabe,
andern vorstehen zu können. Unsere Gesellschaft bedarf so sehr der guten Vorsteher.
Halten Sie unentwegt fest an den richtigen Prinzipien, aber verbinden Sie mit dieser Festigkeit Mildheit der Formen und beschneiden Sie die Schärfe des Urteils,
so wird man sie achten und lieben, und wenn Sie die Herzen Ihrer Untergebenen
in der Hand haben, werden Sie leicht zu regieren haben.“
(Briefe nach Südamerika, Band II, S. 345).
Am 31. Januar 1906 schrieb Arnold Janssen an P. Degenhardt:
„Ich ... hätte so gern, wenn Sie ein recht tüchtiger Vorsteher würden. ...
Suchen Sie die ewige Liebe, Gott den Hl. Geist und das sanftmütige liebevolle Herz Jesu immer besser zu erkennen und immer mehr zu lieben und bitten Sie dasselbe recht oft,
dass Es aus den Schätzen Seiner Liebe Ihnen mitgeben möge.“
(Briefe nach Südamerika, Band IV, S. 175).
Arnold Janssen schrieb am 12. Januar an P. Köster in Brasilien schrieb:
„Es ist wahr, lieber P. Regional, das Amt des Vorstehers ist ein schwieriges,
andererseits erhält derselbe auch wieder eine besondere Hilfe von Gott dem Herrn,
wenn er sucht, seine Pflicht treu und gewissenhaft zu erfüllen.“
„Auf eins wollte ich Sie bei dieser Gelegenheit noch aufmerksam machen.
Schon die Alten haben hervorgehoben, wie viel ein freundliches und lobendes Wort
oft vermag. Bitte, benutzen Sie die Gelegenheiten, wo Sie ein derartiges Wort sprechen können. Ich hoffe, ein solches wird sehr wirksam sein. Es gibt Naturen, welche schwer darunter leiden, wenn sie den Obern stets nur als Ermahner vor sich sehen.
Darum ist die eben gegebene Regel so außerordentlich wichtig.
Bitte, versuchen Sie es einmal. Ich glaube, Sie werden guten Erfolg davon haben.
Gott der Hl. Geist erleuchte und stärke Sie.“
(Briefe nach Südamerika, Band III, S. 46-47)
Recht ausführliche Gedanken über den Dienst der Vorsteherinnen entwickelt Arnold Janssen in einem Brief vom 5. September 1903 an die Vorsteherinnen zweier Kleinkommunitäten
von Missionsschwestern in Argentinien, Schw. Scholastika und Ignatia:
„Deshalb bitte ich Sie, geliebte Schwestern, immerdar recht auf sich selbst acht zu haben,
alle rauen und abstoßenden Worte möglichst zu meiden, und wenn Sie Ermahnungen geben müssen, wovon Sie sich durchaus nicht abhalten lassen wollen, diese doch immer mit Worten der Liebe verbinden, damit die untergebenen Schwestern sehen, dass Sie es gut mit ihnen meinen und sie mütterlich lieben,
wenn Sie auch die Fehler selbst nicht lieben können. ...
Hat eine Vorsteherin aber die Liebe ihrer Schwestern gewonnen, so ist es leicht sie zu leiten; denn wer das Herz hat, hat den ganzen Menschen.
Das Verlangen von den Schwestern geliebt zu werden, darf aber nicht auf unkluge Weise hervortreten, sondern es muss sich natürlich geben, sonst bleibt alles wirkungslos.
Auch soll es nicht weichlich sein; .... Deshalb müssen die Untergebenen in ihren Vorsteherinnen folgendes wahrnehmen:
- Dass sie selbst in allem mit gutem Beispiel vorangehen und für sich selbst nicht das Leichtere, sondern eher das Schwerere wählen;
- dass sie für alle Bedürfnisse jeder Schwester mütterlich sorgen;
- dass sie gute Zucht und Ordnung im Hause aufrecht erhalten;
- dass sie nicht empfindlich sind, nichts nachtragen und eine jede Schwester von Herzen lieben.
Tun Sie dieses, geliebte Schwestern, so werden Sie reichen Segen Gottes in Ihrem Amte erhalten und mit Hilfe des Hl. Geistes, welcher der Vater der wahren Liebe ist,
wird es Ihnen gelingen, Ihre Schwestern immer mehr für Gott und die heilige klösterliche Zucht zu gewinnen. Das aber muss Ihr Ziel sein, und niemals darf eine Vorsteherin
in ihrem Amte für sich selbst etwas suchen.“
(Briefe nach Südamerika, Band III, S.198.199).
Den Mitbrüdern in Chile schrieb Arnold Janssen am 24. Januar 1906:
„Wenn mehrere in einer geistigen Kommunität zusammenleben und zu einem Zwecke zusammenwirken, so sind verschiedene Dinge nötig, von denen ich hier einige aufzähle:
- Die Untergebenen schulden dem Vorgesetzten Achtung, Ehre und Gehorsam.
- Der Vorgesetzte soll trachten, diese Pflichten den Untergebenen zu erleichtern.
Denn er soll sich erinnern, dass er gebrechliche Menschen vor sich hat
und dass auch er selbst ein solcher ist, der in manchen Stücken auf die Nachsicht
seiner Untergebenen zu rechnen hat.
Deshalb soll der Vorgesetzte sich möglichst vor Handlungen und Ausdrücken hüten,
welche die Herzen der Untergebenen schwer machen und dieselben Ihm entfremden.
Wo er Befehle und Anordnungen zu erlassen hat, die ihnen unangenehm sein werden,
tue er, was er kann, um denselben das Bittere und Herbe zu nehmen.
Wenigstens handle er so, dass die Untergebenen sich sagen müssen,
er handelt so aus Pflichtgefühl und deshalb kann man ihm das Betreffende nicht übel nehmen. ....
Der Vorgesetzte soll auch nicht alle Fragen von sich aus entscheiden.
Durch die Regel der Genossenschaft hat er die Pflicht, alles Wichtigere mit seinen Räten
zu beratschlagen. In einem Lehrerkollegium wird er nicht umhin können, vieles mit den Lehrern selbst, sowohl einzeln, wie conferentialiter zu beraten. Auf diese Weise klären sich die Ansichten auf beiden Seiten, und der Vorsteher kommt manchmal dahin,
über gewisse Dinge anders zu denken, als er vorher gedacht hat.
Aus den vorstehenden Bemerkungen folgt aber nicht, dass eine parlamentarische Regierung in unseren Häusern eingeführt werden soll. Der Vorsteher hat immer das Recht der eigenen Entscheidung, soll aber, um womöglich sicher zu gehen und selbst festen Fuß zu fassen,
in den wichtigern Sachen sich auch an seinen höhern Vorgesetzten wenden und wenn
dieser eine Entscheidung trifft, sich derselben auch rückhaltlos unterwerfen.
Dabei steht es ihm natürlich vorher frei, seine Gegenvorstellungen zu machen.
Alles das, sind wichtige, durch die Erfahrung und Vernunft bewährte,
sowie auch dem Geiste unserer Regel entsprechende Grundsätze.“
(Briefe nach Südamerika, Band IV, S. 167-168)
DIE RECHTE WEISE EINEN ANTRAG ZU STELLEN
Am 1. Oktober 1906 schrieb Arnold Janssen an dem nun in Chile
als Hausoberen in La Serena wirkenden P. Degenhardt:
„Soeben erhielt ich von P. Blum Ihr wertes Schreiben von 14.8. Sie schreiben:
‚Soeben sagte mir der hochwürdigste Herr Bischof, er rechne bestimmt darauf,
dass wir Ende dieses Jahres wenigstens 10 Patres hier hätten,
um nächstes Jahr das Seminar fast ganz allein zu übernehmen. Er müsse schon jetzt bei Besetzung der Pfarrstellen darauf rechnen.’ Ferner heißt es im Postskriptum:
‚Wir erwarten also dieses Jahr noch 3 Patres; denn jetzt sind wir 7.’
Ich muss mich wundern, wie Sie solche Dinge schreiben können, als wenn ich die geeigneten Professoren aus dem Boden stampfen könnte und hauptsächlich die Aufgabe hätte, für La Serena zu sorgen, wo alles noch fraglich ist. .... Ich hätte also an Ihrer Stelle geschrieben: ‚Das und das hat mir der Herr Bischof gesagt, ich muss es Ihnen mitteilen; wollen Sie die Güte haben, dieser Bitte wenn möglich zu entsprechen.’ Nicht aber: Wir erwarten also.“ (Briefe nach Südamerika, Band IV, S. 232).
KEIN ÜBEREIFER
Dem frisch ernannten und daher besonders eifrigen und von hohen Idealen erfüllten Theologenpräfekten in St. Gabriel, P. Lux, schreibt Arnold Janssen am 27. Juli 1906:
„An Ihren Grundsätzen habe ich mich erbaut. Gehen Sie langsam, ruhig und gemessen vor und bedenken Sie auch, dass man die jungen Leute nicht auf ein Mal mit zu viel überschütten darf. Wir Menschen sind schwache Geschöpfe. Vom Erkennen bis zum kräftigen Wollen und von diesem bis zur Ausführung ist noch ein weiter Weg. Es wird Ihnen nicht gelingen,
sie zu Heiligen zu machen. Vieles muss mit den Jahren erst kommen.
Gute asketische Grundsätze müssen sie aber erhalten.“
(in Josef Alt, Die Geschichte des Missionshauses St. Gabriel der Gesellschaft des Göttlichen Worte. Das erste Jahrhundert 1889-1989, Analecta SVD – 67, S. 129).
PRAKTISCHE RATSCHLÄGE
Am 13. Juni 1903 schrieb Arnold Janssen an P. Colling in Argentinien:
„Ein Oberer, bei dem ein sehr wichtiger Teil seiner pflichtmäßigen Beschäftigung im Briefschreiben besteht, soll auch suchen, dieses möglichst zu vervollkommnen.
(Vielleicht haben Sie das schon getan und weit mehr als ich, so dass ich von Ihnen lernen könnte. Ich bitte dann bei Gelegenheit um Mitteilung der Art und Weise, wie Sie es machen. Ich habe es lange nicht gut gemacht, und muss auch jetzt noch mich vervollkommnen. Vielleicht helfen Sie mir dazu.) Und wie ich dahin strebe, wichtige Mitteilungen der mir untergebenen Obern nicht in der Vergessenheit der Papiermasse eines Archivs verschwinden zu lassen, so wünsche ich ein Ähnliches in Bezug auf meine Briefe.
Ferner will ich darauf hinweisen, dass, wenn dieselben Anweisungen von dauerndem Werte enthalten, die gute Ordnung es verlangt, dass dieselben in einem eigenen Buche gesammelt werden, damit sie nicht der Vergessenheit anheim fallen und auch vom Nachfolger
noch beachtet werden können.“
(Briefe nach Südamerika, Band III, S. 147).
In einem Brief vom 19. März 1904 an P. Freinademetz in China schreibt Arnold Janssen:
„Die Anzahl der Missionsmitglieder Ihrer Provinz wird auf die Dauer noch bedeutend zunehmen. Damit werden aber auch die Anforderungen sich steigern, welche an Taikia
(Sitz des Provinzials und damit Zentralstation der Steyler Missionare) gestellt werden.
Dies ist ein Grund, der sehr zur Vorsicht im Weiterbauen mahnt.
Ich bin in Europa, nachdem ich in Steyl Erfahrungen gesammelt, stets umsichtig und berechnend zu Werke gegangen. Nirgendwo habe ich später die Hand ans Bauen gelegt,
ohne mir vorher die Frage vorgelegt zu haben: Wie groß wird wohl in Zukunft alles sein müssen, und wie werden wir demgemäß die definitiven Pläne anzulegen haben?
Dabei ist es auch sehr zweckentsprechend, gleich von Beginn einem solchen Plane zu folgen, dass es klappt, selbst wenn nur die Hälfte zur Ausführung gelangt, dass aber die Möglichkeit weiterzubauen bestehen bleibt, falls das bereits Fertiggestellte nicht genügen sollte. Dem Plane gemäß setzt man dann auch die definitive Bestimmung der Räume fest.
Ist dies geschehen, so beginnt man an irgendeiner Stelle mit der Ausführung des Baues.
Die hergestellten Räumlichkeiten verwendet man für den Anfang gerade so,
wie man sie im Augenblick benötigt.
Nach meinem Dafürhalten sollten nun diese Grundsätze auch für Ihre dortige bauliche Tätigkeit die leitende Richtschnur bilden. Zunächst also das Terrain aussuchen,
wo Sie zu bauen vorhaben, nachdem Sie recht tüchtig und eifrig über die Bedürfnisse nachgedacht und studiert haben, wie sie sich wahrscheinlich in der Folge
einstellen werden; dann einen recht begabten und klugen Pater oder Bruder drannehmen,
der den Plan entwerfen wird. ... Für alles dieses erflehe Ihnen der hl. Joseph einen recht klaren Bauverstand, ebenso Ihren Gehilfen.“
(Briefe nach China, Band II, S. 319).
RECHTE DEMUT – EINE HAUPTTUGEND DER OBEREN
Arnold Janssen schrieb am 15. April 1901 an P. Tollinger:
„Also zugleich demütig den Kopf beugen und auf Gott vertrauen,
in Bezug auf die Demut aber auch die Mahnung des hl. Augustinus befolgen:
‚Ne propter nimiam superioris humililtatem subditi superbiantur’
[damit nicht wegen der zu großen Demut des Oberen die Untergebenen übermütig werden].
Also auch die Demut hat ihr Maß. Vor allem sollen Sie Untergebenen nichts schreiben, woraus diese sehen, dass die Zügel Ihren Händen entgleiten. Das will Gott nicht.
St. Thomas sagt: Die Klugheit muss bei jeder Tugend sein, damit sie Tugend bleibe.“
(Briefe nach Südamerika, Band II, S. 194).
Am 5. Februar 1903 schreibt Arnold Janssen an P. Henninghaus in China:
„Aus Ihrem Schreiben vom 11.12.02 ersehe ich, dass Sie Aussicht haben, Provikar zu werden. .... Allerdings machen Sie mir verschiedene Bekenntnisse,
die ihrer Demut alle Ehre machen, und nennen sich unklar, unentschlossen, furchtsam, unbeholfen, bequem und unabgetötet.
Ich denke aber, dass es mit all diesen Dingen doch nicht so schlimm aussieht,
und es wird ja freilich von der allgemeinen menschlichen Schwäche auch Ihnen das eine oder andere ankleben. Aber wenn Sie sich bemühen, Gottes hl. Willen immer treu zu erfüllen, so wird der Herr auch Manches ersetzen und alle Schwierigkeiten,
die Sie haben, zu Ihrer eigenen Vervollkommnung gereichen lassen.
Eine Hauptmedizin aber ist einerseits das Vertrauen auf Gott und andererseits die hl. Demut. Je mehr wir uns in beidem vervollkommnen, um so besser wird es gehen.
Darum also nur Mut und Vertrauen auf den Herrn!“
(Briefe nach China, Band II, S. 257).
Im Januar 1907 hatte Arnold Janssen in den USA P. de Lange zum neuen Superior ernannt; dieser ersetzte den ersten Superior in den USA, P. Peil.
Am 16. September 1907 schrieb Arnold Janssen an P. Peil:
„Seien Sie außerdem überzeugt, dass ich Sie herzlich liebe und nun noch um so mehr,
wo Sie demütig Ihr Amt niedergelegt haben und allen untergebenen Mitbrüdern
ein so gutes Beispiel der Unterwerfung unter den jetzigen Oberen geben.
Gott segne Sie dafür, lieber P. Peil, und verleihe Ihnen die Gnade,
Seinen heiligsten Willen immerdar zu erkennen und treu bis zum Lebensende auszuführen; denn jener ist groß vor Gott, der dieses tut, nicht jener,
der das größte Amt verwaltet.
Es wird dann der liebe Gott Ihnen auch die Gnade verleihen, noch recht viel Gutes
zu tun und später ein überaus schönes Plätzchen für die ganze Ewigkeit zu erwerben.“
(Briefe in die Vereinigten Staaten von Amerika, S.386).
VORAUSSICHT
„Governer c’est prevoir“ – Regieren heißt vorausschauen – so schrieb Arnold Janssen
immer wieder an die verschiedenen Oberen – und am 18. Februar 1901 auch
an P. Colling in Argentinien:
„Diese Voraussicht kann natürlich nicht zu weit vorauseilen, aber darf auch nicht hinter
den Bedürfnissen zurückbleiben. Aber wohl muss der Obere selbst sich dieses mehr angelegen sein lassen als seine Räte und muss sich dann auch bemühen,
seinen höheren Vorgesetzten alles klar zu legen.
Ein wichtiges ist bei allen diesen Dingen der ständige Hinblick auf Gottes hl. Willen.
Das bewahrt 1) vor Unruhe, wenn man Schwierigkeiten findet, sei es bei seinen Räten,
sei es bei den höheren Vorgesetzten; denn Gott will, dass man al les nicht anders als ordnungsgemäß tue, 2) vor übertriebener Has und übertriebener Klugheit, indem man glaubt, diesem und jenem vorbeugen zu müssen. – Man denke stets: Ich kann dieses jetzt noch nicht; also ist es Gottes Wille noch nicht; sonst hätte Er bereits die nötigen Mittel gegeben.
Geduld und Vertrauen auf Gott hüten vor unmäßigem Eifer und Vorgreifen,
bevor die rechte Stunde gekommen ist, wo die Schwierigkeiten schwinden.“
(Briefe nach Südamerika, Band II, S.154-155).
EIN GROSSES HERZ HABEN
Die Generalräte machten Arnold den Vorwurf, dass er zu viele Missionare nach Nord- und Südamerika schickte, wogegen doch die Heidenmission unsere erste Aufgabe sei. So hatte er im Jahre 1905 z.B. 18 Patres für die heidnischen Missionen und 18 Patres für Nord- und Südamerika bestimmt. Dagegen protestierte P. Blum in einem Brief vom 17. April.
Daraufhin revidierte Arnold die Liste der Neumissionare: 20 Patres wurden für die Heidenmission, 16 für Nord- und Südamerika bestimmt.
Als er den Generalräten diese neue Liste am 23. April 1905 sandte, da schrieb er ihnen auch:
„Es sind doch alle Missionen unsere Kinder;
sie alle sind mit Genehmigung des Generalrates so angenommen und eingeführt worden,
und man muss doch für alle in Bezug auf das Nötigste sorgen.
Generalräte müssen auch ein generales Herz haben, nicht wahr!“
(Briefe nach Neuguinea und Australien, S. 264, Fußnote 2).
WÜRDE BEWAHREN
Arnold Janssen schrieb am 12. Februar 1897
dem Apostolischen Präfekten von Neuguinea, P. Limbrock:
„In offiziellen Schreiben... müssen Sie auch in entsprechender äußerer Form
als Apostolischer Präfekt auftreten. Davon hängt sehr viel ab. Wo es nötig ist,
müssen wir auch unsre eigene Würde zu wahren wissen,
sonst werden auch andere sie nicht beachten. Das ist also nicht gegen die Demut.
Natürlich aber sollen wir nicht den grand Seigneur machen.“
(Briefe nach Neuguinea und Australien, S. 17).
RATSCHLÄGE AN DIE NEUPRIESTER –
DIE POTENTIELLEN KÜNFTIGEN OBEREN
Unmittelbar im Anschluss an die Priesterweihe und Primiz hielt Arnold Janssen
den Neugeweihten Vorträge zur Einführung in ihre priesterliche Arbeit –
das „Collegium Practicum“. Die folgenden Zitate stammen aus diesen Vorträgen:
So sehr die Gesellschaft gute Obere braucht,
ein einzelner Mitbruder soll nicht nach dem Amt des Oberen streben:
Weshalb soll man nicht nach einem Vorsteheramt verlangen?
I. Aus Furcht:
1. vor dem Stolz
2. vor der Beschwerde
3. vor der Verantwortung
(Collegium Practicum 2, 103)
Ehrenämter sind Dornenämter, desto mehr, je mehr Ehre damit verbunden ist.
Im allgemeinen gehört zu jedem Amte eine große Demut, um die Beleidigungen zu ertragen, die oft von Untergebenen dem Vorgesetzten zugefügt werden...
Also (streben Sie nicht nach Ehrenämtern)
- Beneiden Sie niemals einen Mitbruder, der Oberer wird.
- Streben Sie selbst niemals danach, einer zu werden.
- Haben Sie Mitleid mit Ihren Obern und suchen Sie als gute Regulare
niemals ihre Last zu erschweren, sondern zu erleichtern.
(Collegium Practicum 116 a u.b.)
Ein guter Oberer:
- Darf nicht alles erlauben
- Muss zuweilen zurechtweisen
- Kann nicht alles
- Wird öfters hintergangen und betrogen
- Alle berufen sich auf sein Wort
- Ist sehr der Kritik ausgesetzt
Ein guter Oberer muss viele Tugenden und Fähigkeiten haben:
Fleiß, Wachsamkeit, gutes Urteil, Verschwiegenheit, Vorsicht im Handeln,
zu reden und zu schweigen wissen zur rechten Zeit, den rechten Ton treffen,
mit Vorgesetzten, Untergebenen und Räten umzugehen wissen,
Verwaltungskenntnisse besitzen, für notwendige Räumlichkeiten und Bauten sorgen, möglichst freundliche Behandlung aller.
(Collegium Practicum 2, 103).
Das Amt des Oberen ist schwer; wie tröstlich ist es da, wenn ein guter Freund für einen betet wie der Lazarist P. Medits für Arnold Janssen gebetet hat.
„Heute habe ich ganz besonders für Dich, den viel verkannten Mann der Vorsehung, gebetet. Nur den Mut nicht verlieren. Halte mit fester Hand das Steuerruder,
wenn die Wogen auch hoch gehen. Dein Schifflein wird nicht in Trümmer gehen,
da es aus Gottes Holz gefertigt ist.“
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