hl. Arnold Janssen:

Das Leiden

In Togo hatte der Apostolische Propräfekt Schäfer Auseinandersetzungen mit dem kaiserlichen Kommissar von Puttkamer, der ihm mit Ausweisung drohte.
Am 17. Juni 1893 schrieb Arnold Janssen an Schäfer u. a.:
Seien Sie überzeugt, dass der Vater der Güte und Barmherzigkeit dieses große Feuer
der  Trübsal über Sie hat kommen lassen, damit auf diese Weise jene so schlimmen Fehler
von Ihnen genommen werden, die Sie sonst auf keine andere Weise losgeworden wären und die doch von Ihnen weichen müssen,
wenn etwas Ordentliches aus Ihnen werden soll.
Freilich, wenn Sie die Trübsal nicht zu Ihrem Heile benutzen,
so wird noch Schlimmeres über Sie kommen, oder der Herr entlässt Sie aus Seiner Hand, was von allem das Schlimmste sein würde .

(Bornemann, Arnold Janssen,
Der Gründer des Steyler Missionswerkes 1837-1909, S. 286)

 

Am 7. Februar 1894 schreibt Arnold Janssen
an den gerade in Ekuador zusammen mit P. Pierlo angekommenen P. Neuenhofen:
Ich ... danke dem lieben Gott, dass Er Sie beide so glücklich dorthin geführt
und vor allem, dass Sie sich in Ihrer neuen Lage wohl und zufrieden fühlen.
Freilich wird der Sonnenschein, der über Ihnen lagerte, als Sie den letzten Brief schrieben, wohl nicht immer in derselben Weise bleiben. Machen Sie sich also bitte auf Leiden gefasst und zagen Sie nicht, wenn dieselben kommen.
Alle Leiden, die Gott schickt, sind Gnaden, aus denen immer höhere Güter hervorgehen. Prägen Sie sich das tief ein.
Ich habe es vielfach erfahren, und auch Sie werden es erfahren.
Darum nur Mut! Auch sind Leiden immer Vorbereitungen auf größere Freuden.

(Briefe nach Südamerika, Band I, S. 81-82)

 

In Ekuador ist am 24. Mai 1896 P. Pierlo gestorben, P. Neuenhofen ist damit der einzige Steyler in der Diözese. Auch der Generalvikar musste fliehen.
Am 24. August 1896 schreibt Arnold Janssen ihm:
„Ich danke Gott für den Mut, den Er Ihnen verliehen hat, unter den trüben Verhältnissen, unter denen Sie sich befinden, dennoch mutig auszuharren.
Ich erkenne daraus, dass Er Sie nach Ekuador geführt und hoffe,
dass Er Sie dort auch nach Seinen heiligsten Absichten lenken und führen wird in allem, wenn Sie suchen, durch treue Mitwirkung mit der Gnade des Heiligen  Geistes
Seiner besonderen Führung sich würdig zu machen. ...
Da die Trübsal wohl noch länger dauern wird, so bitte ich sehr, nehmen Sie sich in acht und geben sich Mühe, im Lande sich so lange zu halten, als eben möglich ist, indem Sie alle unnötigen Schärfen vermeiden, im übrigen aber keine Furcht zeigen.“

(Briefe nach Südamerika, Band I, S. 185.186)

 

Am 23. Januar 1897 lädt Arnold Janssen P. Neuenhofen in Ekuador
zum bevorstehenden Generalkapitel ein und schreibt:
„Da diesen Herbst, beginnend mit dem Feste des hl. Erzengel Michael
ein Generalkapitel unserer Gesellschaft in Steyl stattfinden soll, so ist es meine Aufgabe, Sie gemäß Bestimmung unserer Regel De reg. hierzu einzuladen. Wollen Sie vor Gott und Ihrem Gewissen überlegen, ob es Sein göttlicher Wille ist, dass Sie von diesem Rechte Gebrauch machen oder vielmehr,
unter Berücksichtigung der großen Not der unsterblichen Seelen in der dortigen Diözese, auf dieses Recht verzichten.“

(Briefe nach Südamerika, Band I, S. 202).

 

Am 25. Februar 1897 schreibt Arnold Janssen an P. Degenhardt in Argentinien:
Im übrigen fürchten Sie sich nicht! Gott ist offenbar mit Ihnen, dass Sie in so kurzer Zeit so viel vollbringen konnten. Dass das nicht ohne Sturm, Kampf und Mühe geht, versteht sich von selbst. Denn der Teufel lässt so leicht eine Festung nicht fahren,
die er bereits als sein Eigentum betrachtete. Auch betrüben Sie sich nicht zu sehr,
wenn einmal aus menschlicher Schwäche an irgendeiner Stelle etwas Betrübendes dazwischen läuft. Auch das lässt Gott der Herr zu aus Barmherzigkeit, damit Seine Diener sich nicht über sich selbst erheben und immer schön die Demut bewahren,
die zu bewahren fast unmöglich ist, wenn es uns in allen nach unsern Wünschen geht. Im übrigen hilft der Herr der Liebe, dass man auch über das Betrübende hinwegkomme.

(Briefe nach Südamerika, Band I, S. 203-204).

 

Am 27. August 1897 schreibt Arnold Janssen an P. Neuenhofen in Ecuador:
Es scheint mir dieses der hl. Wille Gottes zu sein, dass Sie sich in dieser Beziehung
zum Opfer bringen und retten, was noch zu retten ist.
Die Wege Gottes sind wunderbar, und Er kann auch tote Gebeine wieder beleben, wie Er dem Propheten Ezechiel gezeigt hat. Lasst uns auf Ihn all unser Vertrauen setzen.
(Briefe nach Südamerika, Band I, S. 220)

 

Am 8. November 1897 schreibt Arnold Janssen an die Missionsschwestern in Argentinien:
„Sie leben jetzt schon zwei Jahre in der Fremde auf amerikanischem Boden
und haben die Verhältnisse Ihres neuen Vaterlandes nun wohl schon hinreichend kennengelernt. Der gute Gott hat Ihnen unterdessen als Seinen guten Kindern schon manches Leid geschickt – so brauchen wir armen Menschenkinder es ja in diesem Tränentale – aber gewiss auch manche Freuden bereitet.
Nehmen wir beides gleich bereitwillig von Seiner Hand an. Denn ‚denen, die Gott lieben, gereichen alle Dinge zum besten.’ Freude und Leid alles dient zu unserm wahren Wohle, zur Verdienung des schönen Himmels und zur Läuterung unserer Seele von den anhängenden Schlacken und Fehlern. Also kindliches Vertrauen auf Gott! ...
Unterdessen haben nun auch schon andere Ihnen sich angeschlossen, und Ihre Zahl wird mit der Zeit sich mehren. Im übrigen seien Sie um den Zuwachs nicht ängstlich bekümmert. In der Natur hat es Gott so eingerichtet, dass die nützlichen Bäume,
z.B. die Obstbäume, die ersten 7 Jahre nur verhältnismäßig wenig wachsen. Sie müssen zuerst ordentlich Wurzel fassen, und dann geht es später  um so besser.
In Steyl hat Gott der Herr auf dieselbe Weise mit uns verfahren sowohl im Missionshause als auch bei den Schwestern. Es wird aber gut sein, wenn es in den Missionen ebenso geht. So muss auch zuerst das Schulehalten tüchtig gelernt werden
und ferner muss Leib und Geist sich an das fremde Klima und die fremden Menschen zuerst gewöhnen. Darum nur mutig voran im Vertrauen auf den guten Gott
und mit Vermeidung aller Überstürzungen!

(Briefe nach Südamerika, Band I, S.228).

 

Am 26. Mai 1900 schickte Arnold Janssen aus Rom an Mutter Josefa in Steyl
die Liste der Schwestern, die zur Einkleidung und Gelübdeablegung zugelassen waren. Über solche, die nicht zugelassen worden waren, schreibt er:
Was die im Verzeichnis fehlenden Schwestern angeht,
so sage ich allen herzliches Beileid, dass es nicht möglich war, sie anzunehmen,
und zwar die meisten aus Gesundheitsrücksichten. Ich bitte Gott den Herrn,
dass er sie tröste und stärke und dahin führe, wo er sie haben will.
Zunächst müssen sie dieses Kreuz aus der Hand des Herrn mit Unterwerfung ihres Willens annehmen und mit aller Demut ihr Kreuz ihm nachtragen.“
(Stegmaier, P. Arnold Janssen, M. Josefa, Hendrina Stenmanns,
Briefwechsel 1884-1903, S. 138).

 

Am 1. Juni 1900 schreibt Arnold Janssen an die Mitbrüder in China:
Die Priester und Brüder unserer Gesellschaft in Süd-Shantung haben in den letzten Jahren eine harte Zeit der Mühen und Drangsale durchgemacht.
Ich sage herzliches, väterliches Beileid dazu. Da dieses aber nun, wenigstens in seinem schlimmsten Teile, wie es scheint, mit Gottes Hilfe vorübergegangen ist,
so möchte ich heute es nicht bei jenem Beileid bewendet sein lassen, sondern Sie einladen, Alles mit mir vom höheren Standpunkte des Glaubens zu betrachten.
Da hören wir aber, wie die Schrift uns mahnt: „Denen, die Gott lieben gereichen alle Dinge zum Besten.“ Darum wünsche ich Ihnen von Herzen Glück
zu den überstandenen Prüfungen und zu allem, was an Gnaden, Leiden und besonderen Segnungen durch die Fügungen des Allerhöchsten in den letzten Jahren
über Sie gekommen ist. Möge durch die Liebe der heiligsten Dreifaltigkeit und durch die Mithilfe der leidenden, streitenden und triumphierenden Kirche, insbesondere unserer hl. Schutzpatrone, daraus alles jene Gute hervorgehen, was der Liebe, Weisheit und Erbarmung der göttlichen Ratschlüsse entspricht.“
(Briefe nach China, Band II, S. 85)


Um P. Freinademetz in China Mut zu machen
schreibt Arnold Janssen ihm am 30. Oktober 1901:
Im übrigen lasset uns um so fester auf Gott vertrauen, je widriger eine Sache steht.
Sie wissen, wie viel der hl. Franz Xaver auf das Vertrauen hielt, und wie sehr er alles dieses seinen Missionaren eingeschärft hat. Ja, danken wir Gott für alle Widerwärtigkeiten und Leiden! Denn wie soll unsere Tugend mannhaft werden, wenn sie nicht durch Leiden hindurchgeführt wird.
(Briefe nach China, Band II, S. 198).


Am 14.  Juli 1902 schreibt Arnold Janssen an Schw. Walburgis:
Vorerst wird es sich darum handeln, in aller Geduld den Grund zu legen
und anzufangen, und nicht auf 7, sondern auf 70 Kreuze sich gefasst zu machen. Übrigens kommen selten 2-3 auf einmal, sondern gewöhnlich das eine nach dem andern, so wie der himmlische Vater es in Liebe schickt. Immer aber muss man geduldig Rücken und Schulter hergeben, um es zu tragen. Werden Sie auch die Kraft dazu haben,
gute Schwester? Verzagen Sie nicht. Der liebe Gott kennt unsere Kraft und macht das Kreuz niemals so groß, dass wir es nicht tragen können. Übrigens gibt es nicht bloß Kreuze, sondern auch Freuden. Ja sogar die süßesten Freuden kommen aus den bittersten Leiden. Darum, meine gute Tochter, haben Sie Mut und gehen Sie voll Vertrauen
der Aufgabe entgegen, die der himmlische Vater Ihnen überreicht
(Briefe nach Südamerika, Band II, S. 388-389).

 

Am 2. Oktober 1903 schreibt Arnold Janssen an P. Freinademetz in China:
Wir sind beide nicht mehr jung und nähern uns immer mehr dem Abende unseres Lebens. Möge der Herr nach Seinem heiligsten Willen mit uns tun!
Möge er uns auch die Gnade verleihen,
dass wir bis zum letzten Lebenshauche in Seinem Dienst verharren. ....
Sie schrieben mir früher einmal, Gott der Herr habe mich sehr gesegnet.
Es wäre ungerecht von mir, das zu leugnen. Gewiss, er tat es, mehr als ich je verdiente. Er hat auch Ihnen reichen Segen gespendet,
wenn Sie auch, ebenso wie ich,
manches Leid haben mitmachen müssen.
(Briefe nach China, Band II, S. 270).

 

Am 13. August 1904 schreibt Arnold Janssen an die Brüder
Gotthard, Claver und Bellinus in Chile:
Es ist wahr, Sie sitzen jetzt so allein am Gestade des großen Ozeans
auf der andern Seite der Erdkugel, ...
Dazu bringt eine Neugründung immer mancherlei Opfer, Leid und Schmerz mit sich. ...
Im übrigen haben Sie guten Mut, auch dann, wenn es nicht gut zu gehen scheint.
Wenn wir das Unsrige tun, kommt Gott zu Hilfe und weiß,
auch aus dem Bösen Gutes hervorgehen zu lassen.
(Briefe nach Südamerika, Band III, S. 373)

 

In Chile war einer der Patres der Überzeugung, dass Chile nicht der richtige Platz für ihn sei. Am 23. Mai 1908 schrieb Arnold Janssen ihm u. a.
Glauben Sie, dass ich Ihrer Bitte schon lange entsprochen hätte, wenn nicht so viele Gründe entgegengestanden hätten. Seien Sie ferner überzeugt, unsere eigenen Wünsche sind nicht immer das Beste, sondern der hl. Wille Gottes und das, was er als solchen durch die Verhältnisse offenbart. Glückselig der Mann, der sich darein zu schicken weiß. Aus allen Leiden, die er ertragen, werden ihm Rosen nicht nur des Verdienstes,
sondern auch späterer Freuden auf Erden zuteil
Briefe nach Südamerika, Band IV, S. 405).

 


Go to TOP
Close